James Cameron nimmt seine Zuschauer mit dem dritten Teil der kommerziell extrem erfolgreichen Avatar-Reihe mit zurück in die fantastische Welt von Pandora, die visuell so beeindruckend ist wie eh und je.
Story – Auf ein Weiteres
Mit einer Dauer von sage und schreibe 197 Minuten liefert Cameron den bisher längsten Film der Saga rund um Jake Sully und die Na‘vi ab, und tatsächlich fühlt es sich an, als würde man eher 2 Filme zu sehen bekommen. Während sich der Vorgänger, „The Way of Water“ (2022) zwischendurch sehr lang angefühlt hat, ist das Pacing hier besser gelungen, der Nachfolger verfügt über weitaus mehr Action-Szenen und Story-Elemente. Eine vollständige Synopsis würde dementsprechend den Rahmen dieser Rezension sprengen. Recht knapp zusammengefasst stehen Jake und seine Familie, noch in Trauer um den verlorenen Sohn Neteyam, diesmal nicht nur (abermals) dem Antagonisten Miles Quaritch und der paramilitärischen Organisation RDA gegenüber, sondern auch Kollaborateuren bestehend aus dem aggressiven Eingeborenen-Clan der Mangkwan.
Dennoch endet das Lob hiermit; in erzählerischer Hinsicht findet sich in „Fire and Ash“ kein Meisterwerk. Einerseits werden Themen aus den ersten beiden Filmen recycled, andererseits bewegt sich die Geschichte der Saga, in Anbetracht dessen, dass zwei weitere Filme geplant sein sollen, kaum vom Fleck. Zwar wird es den Zuschauenden nicht unnötig schwer gemacht, den vielen Handlungssträngen zu folgen, aber nach der dritten Geisel- und der vierten Gefangennahme in der Filmreihe wächst die Sehnsucht nach neuen Ideen doch beträchtlich. Nichtdestotrotz kommt man, wenn man über die oben erwähnten Kritikpunkte hinwegblickt, aufgrund des Gesamtproduktes doch durch die emotionalen Höhepunkte des Filmes auf seine Kosten.
Schauspieler – Starke Präsenz
Sam Worthington (Terminator) und Zoe Saldaña (Guardians of the Galaxy) schlüpfen wieder in ihre durch Motion-Capture-Technologie ermöglichten blauen Na’vi Körper, und greifen ihre Rollen – Jake Sully und Neytiri – aus den Vorgängerfilmen wieder auf. Dabei liefern sie wie gewohnt eine sehr stabile Performance ab, dasselbe lässt sich über Stephen Lang sagen, der als Colonel Miles Quaritch diesmal tiefer in die Welt der Einwohner Pandoras gezogen wird.
Positiv hervorzuheben ist die Sci-Fi Legende Sigourney Weaver (Alien), die Kiri verkörpert, der als junge Adoptivtochter der Sully-Familie eine besondere Rolle zukommt: ihre Verbindung zur spirituellen Gottheit des Planeten, Eywa, welche im Rahmen des Films vertiefend behandelt wird.
Oona Chaplin spielt Varang: die Anführerin des Mangkwan-Clans, eine tyrannische, bedrohliche Figur, stets umgeben von einem Hauch Wahnsinn. Sie verfügt über eine beeindruckende Leinwandpräsenz, und zieht in den Szenen, in denen sie auftritt, geradezu hypnotisch die Aufmerksamkeit auf sich.
Britain Dalton verkörpert abermals Lo’ak, dessen Charakter für zukünftige Filme als neuer Protagonist aufgebaut zu werden scheint, an seiner Seite Jack Champion wieder als „Spider“. Eindeutig sollen ihre Charaktere auch das jüngere Publikum ansprechen, was aus ihren Dialogen erkenntlich wird. Insgesamt liefert der gesamte Cast eine starke Performance ab.
Regie – Wer kann, der kann
James Cameron ist ohne jeden Zweifel ein Meister seiner Kunst, und das zeigt sich auch in diesem Epos. Trotz der Überlänge wirkt der Film kohärent, die Übergänge zwischen den ruhigen, schön inszenierten Momenten der Faszination, in denen die Zuschauer mit der Natur Pandoras in Kontakt kommen, zu den actionreichen Kampfszenen fließen nahtlos ineinander ein. Punkto Schauspielregie ermöglicht Cameron seinen Charakteren zu glänzen. Das zeigt sich in emotionaler Hinsicht insbesondere im Falle der Neytiri, die nach dem Tod ihres Sohnes eine neue Intensität des Hasses gegen die Menschheit zeigt, ein innerer Konflikt, der sich auch auf ihren Ziehsohn „Spider“ ausweitet. Cameron zeigt auch, dass sein Talent für das „Worldbuilding“ nicht nachgelassen hat. Hier festgemacht am Beispiel der fliegenden Händler, wobei Pandora zugegebenermaßen auch etwas mehr Diversität vertragen könnte: Die gezeigte Vulkanlandschaft hätte gerne etwas mehr Raum zulasten des sonst durchgängig tropischen Klimas einnehmen können.
Nachbearbeitung – Technische Perfektion
Technologisch gesehen ist die Geschichte der Avatar-Reihe eine der Innovation: Der erste Teil der Reihe war der erste Film, der ein „3D-Fusion-Camera-System“ verwendete, um eine immersivere Erfahrung zu gewährleisten. Für den zweiten und dritten Teil wurde vor allem im Gebiet des Motion/Facial-Capture nachgeschärft: So war es möglich, feinere Nuancen der Schauspieler aufzunehmen, und Szenen auch tatsächlich unter Wasser zu schießen. Diese Mühen haben sich für die Kinobesucher auch ausgezahlt, der visuelle Aspekt ist womöglich das Herausragendste an den Avatar-Filmen.
Auch viel Arbeit und Liebe steckt in der Welt von Pandora an sich. Das gezeigte Vulkan-Ödland bilden einen scharfen Kontrast zu den sonst farbenfrohen und gesättigten Landschaften, die Bilder sind phänomenal, beeindruckend und stimmungsvoll.
Auch der Schnitt trägt seinen Teil dazu bei, einen Film von dieser Länge trotzdem möglichst klar zu strukturieren, kann also positiv bewertet werden.
Musik – Atmosphärische Gewandtheit
Simon Franglen ist für die zwei Fortsetzungen des ersten Filmes in die Fußstapfen von James Horner getreten. Seinen Angaben zufolge habe es sieben Jahre gedauert, den Soundtrack zu vollenden, wobei er zwei neue Instrumente für das Volk der Na’vi erfunden haben soll.
Emotional liefert er genau das, was dieser Film braucht – eine Balance zwischen ruhigen Momenten und emotionalen Familiendramen auf der einen Seite, brenzligen Situationen und großen Schlachten auf der anderen. Zwar fehlt ein Hauptthema à la „Herr der Ringe“, an das man sich stets mit Leichtigkeit erinnert, ansonsten funktioniert der Score sehr gut für die jeweiligen Szenen.
Filmkritk
Fazit
Alles in einem ein monumentales Werk, das technisch gesehen seinesgleichen sucht. Schauspielerisch lassen sich starke Leistungen finden, emotionale Höhepunkte treffen nicht nur aufgrund der musikalischen Untermalung ins Schwarze – lediglich leidet der dritte Teil der Saga unter seiner eher schwachen Story.


