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Filmkritik: The City of the Living

von Brijan Wilson
29. September 2026
in Filme, Kritiken
0

Der Film wurde im Rahmen seiner Weltpremiere beim Filmfestival in Venedig gesehen

Mit The City of the Living liefert Regisseur Edoardo Gabbriellini ein ruhiges Drama nach wahren Begebenheiten, in dem ein junger Mann namens Luca versucht, zwischen Familie, Beziehung, Schule und der Suche nach einem Job seinen Platz in der Welt zu finden. Eines Tages nimmt sein Leben durch eine scheinbar zufällige Begegnung eine radikale Wendung.

Story

Die Geschichte beginnt mit der Adoption von Luca (Emanuele Maria Di Stefano), den seine zukünftigen Eltern aufgrund seines aufgeweckten Lachens aus mehreren Babys auswählen. Viele Jahre später lebt er noch immer mit seinen Adoptiveltern Silvana (Simona Senzacqua) und Giuseppe (Valerio Mastandrea) zusammen und führt eine Beziehung mit seiner Freundin Marta Gaia (Gaia Merlonghi). Luca ist bereits 23 Jahre alt, weiß aber noch nicht, was er mit seinem Leben anfangen soll, was ihn zunehmend frustriert und seine Beziehung mit Marta Gaia auf die Probe stellt. Er besucht zwar eine Abendschule und hilft seinem Vater bei dessen Arbeit mit einem Süßigkeitenwagen, sucht aber nebenbei nach einem richtigen Job, um endlich auf eigenen Beinen stehen zu können. Seine Unzufriedenheit treibt ihn eines Tages dazu, die Schule abzubrechen, viel Zeit an Spielautomaten zu verbringen und neue Menschen kennenzulernen, mit denen er sich fortan regelmäßig gegen Geld auf sexuelle Begegnungen einlässt. Seinem Umfeld verschweigt er seine neue Einnahmequelle und gerät immer tiefer in einen Abwärtsstrudel.

Die angeschnittenen Themen der Geschichte sind für mich eine durchaus interessante Ausgangslage, aber der Film nutzt seine Laufzeit nicht, um diese tiefergehend zu erforschen, sondern reiht Alltagssituationen aneinander, die selten zusammenhängend wirken und schnell repetitiv werden. Luca ist ein glaubwürdiges Abbild eines verunsicherten jungen Mannes, und die Beziehung zu seinem Vater bringt ein paar wirkungsvolle Momente hervor, kann aber nicht über die fehlende Spannung hinwegtäuschen. Als die Erzählung zum Ende hin ein wenig an Fahrt aufnimmt, endet der Film leider abrupt. Dabei hätte mich mehr interessiert, was von da an mit den Charakteren passiert, als was der Film größtenteils abbildet.

Schauspieler

Der unsichere Luca wird von Emanuele Maria Di Stefano gespielt, der hier seine erste Hauptrolle übernimmt und eine glaubwürdige und zurückhaltende Darstellung ohne große Highlights abliefert.

Gleiches gilt für Gaia Merlonghi, die Lucas Freundin Marta Gaia spielt, sowie für Simona Senzacqua, die Mutter Silvana verkörpert. Für Gaia Merlonghi handelt es sich um ihre erste Schauspielrolle, nachdem sie ohne vorherige Schauspielausbildung zum Casting erschienen war.

Valerio Mastandrea übernimmt die Rolle von Lucas Vater Giuseppe und bringt die meiste Erfahrung des Ensembles mit. Der vierfache Gewinner des David-di-Donatello-Preises spielt den Vater angenehm zurückhaltend, vermittelt dabei aber trotzdem eine glaubhafte Wärme. Deshalb funktionieren die Momente zwischen Luca und seinem Vater gut, auch wenn das Drehbuch zu selten Kapital daraus zu schlagen weiß.

Regie

Regisseur Edoardo Gabbriellini, der zuletzt beim italienischen Drama Holiday Regie führte, entscheidet sich für eine sehr zurückhaltende Inszenierung, die sich auf den Alltag seines Protagonisten konzentriert. Diese Herangehensweise hat den Vorteil, dass die Geschichte dokumentarisch und dadurch real wirken kann. Allerdings hat sie auch den Nebeneffekt, dem Zuschauer kaum interessante Informationen mitzugeben und sich so in belanglosen Alltagssituationen zu verlieren.

Positiv zu erwähnen ist dagegen die Verwendung von Spiegeln, Fenstern und Autoscheiben, um Luca auf kreative Art und Weise in Szene zu setzen – auch wenn dieses Stilmittel nach einer Weile an Reiz verliert.

Nachbearbeitung

Die Nachbearbeitung in The City of the Living ist insgesamt so zurückhaltend wie der Rest des Films. Der Schnitt von Jacopo Ramella Pajrin nimmt sich sehr viel Zeit, und die entsättigte Farbgebung passt zur trostlosen Atmosphäre der Geschichte. Visuelle Effekte spielen bis auf kleine Korrekturen keine Rolle, da sich der Film vollständig auf realistische Schauplätze konzentriert.

Musik

Die musikalische Untermalung wird unterstützend und dezent eingesetzt. Stellenweise ist sie überraschend hoffnungsvoll, was im Kontrast zur Geschichte steht, mir aber trotzdem gefallen hat. Die elektronischen Elemente haben mich zudem an den Künstler Fred Again.. erinnert. Insgesamt bleibt die Musik dennoch eher unauffällig und nicht besonders einprägsam.

Filmkritk

Fazit

5 Ergebnis

Insgesamt ist The City of the Living ein ruhiges und sowohl technisch als auch schauspielerisch solides Drama, das sich durch die ruhige Inszenierung von klassischen True-Crime-Filmen abhebt und mehr Wert auf ein realistisches Abbild von Lucas Leben als auf eine reißerische Darstellung der tragischen Ereignisse legt. Auf der anderen Seite sorgt die Erzählweise dafür, dass die Handlung nicht fokussiert genug wirkt und einige interessante Aspekte von Lucas Doppelleben nicht ausreichend vertieft werden.

Fazit

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Tags: Drama
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