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Filmkritik: The Piano Tuner

von Brijan Wilson
17. Juli 2026
in Filme, Kritiken
0
the piano tuner szenebild

© DCM 2026 / Black Bear Pictures

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The Piano Tuner ist ein außergewöhnlicher Genre-Mix aus Krimi, Komödie und Romanze und das Spielfilmdebüt von Regisseur Daniel Roher. Die Geschichte rückt den Alltag eines Klavierstimmers in den Mittelpunkt, der jedoch zunehmend in moralische Konflikte gerät.

Story

Niki White (Leo Woodall) arbeitet als Klavierstimmer und hat ein absolutes Gehör. Das bedeutet, er besitzt die seltene Gabe, die Tonhöhe eines gehörten Tons exakt zu bestimmen. Gleichzeitig leidet er allerdings unter Hyperakusis, einer starken Geräuschempfindlichkeit, wodurch selbst alltägliche Geräusche für ihn schnell zur Belastung werden und er deshalb seine Kopfhörer nur selten absetzt. Gemeinsam mit seinem langjährigen Kollegen und Freund Harry Horowitz (Dustin Hoffman), der ihn als seinen „Wahl-Neffen“ bezeichnet, fährt er täglich zu Kunden, um deren Klaviere zu stimmen. Regelmäßig belächeln ihre Kunden sie und verstehen weder, dass sie Ruhe für ihre Arbeit benötigen, noch, dass die beiden keine Universalhandwerker sind, die auch ihre Toilette oder das WLAN reparieren können.

Nikis soziale Unsicherheit und starke Geräuschempfindlichkeit erschweren ihm den Kontakt zu anderen Menschen, weshalb er einen eher zurückgezogenen Alltag führt. Bei einem alleinigen Auftrag in einem Musikkonservatorium lernt Niki die Pianistin Ruthie (Havana Rose Liu) kennen. Von da an begegnen sie sich regelmäßig. Zunächst zufällig, doch nach einer Weile beginnt sich zwischen ihnen eine romantische Beziehung zu entwickeln.

Als Harry eines Tages mit einem Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert wird, verändert sich Nikis Leben jedoch schlagartig. Er übernimmt fortan alle Aufträge alleine und bekommt mit, dass Harry die Krankenhausrechnungen nicht bezahlen kann und schon hohe Schulden angehäuft hat.

Das veranlasst Niki dazu, sich auf die Suche nach einer schnellen Geldquelle zu begeben. Um seinem guten Freund zu helfen, schreckt er dabei auch nicht vor zwielichtigen Geschäften zurück, die sein Leben immer mehr ins Chaos stürzen.

Mir hat sehr gut gefallen, einen selten in Filmen behandelten Beruf, wie den des Klavierstimmers, repräsentiert zu sehen. Der Mix aus verschiedenen Tonalitäten ist wunderbar ausbalanciert und besonders der erste Akt macht aus diesem Grund viel Spaß. Die Beziehung zwischen Niki und Ruthie rückt nach einer Weile in den Mittelpunkt und schafft eine besondere Atmosphäre, die durch die starke Chemie zwischen Leo Woodall und Havana Rose Liu für mich ebenfalls funktioniert hat. Im letzten Akt setzt das Drehbuch allerdings auf weniger glaubwürdige Entwicklungen und Wendungen, durch die ich mich etwas von der Geschichte distanziert gefühlt habe, aber alles in allem wurde ich trotzdem gut unterhalten.

Schauspieler

Niki White wird von Leo Woodall gespielt, der einem breiten Publikum, wie auch mir, seit seiner Rolle in der 2. Staffel von The White Lotus bekannt ist. Inzwischen spielt er zunehmend in erfolgreichen Projekten mit, wie zuletzt in Nürnberg. In The Piano Tuner zeigt er erstmals, dass er einen Film nahezu allein tragen kann und vermittelt Nikis Geräuschempfindlichkeit und moralischen Konflikte sowie seine Unsicherheit und Nervosität in sozialen und nervenaufreibenden Situationen glaubwürdig.

Auch Havana Rose Liu (afrAId) überzeugt als Ruthie auf ganzer Linie und bringt eine erfrischende Leichtigkeit und Authentizität in den Film, die viele Momente emotional auflockert. Besonders ihre Chemie mit Leo Woodall gehört zu den größten Stärken des Films. Ihre gemeinsamen Dialoge wirken unbeschwert und spielerisch und lassen den Zuschauer mit der Liebesgeschichte mitfiebern. Wie Leo Woodall ist auch sie ein vielversprechendes neues Gesicht in Hollywood und hat mit der Komödie Bottoms erstmals auf sich aufmerksam gemacht. Auch im Thriller Lurker hat sie mir sehr gut gefallen und ich freue mich schon auf ihre kommenden Projekte.

Beide Hauptdarsteller nahmen monatelang Klavierunterricht, um die Technik und das Talent zweier begnadeter Pianisten authentisch darstellen zu können.

Harry Horowitz wird von Dustin Hoffman (Megalopolis) verkörpert, der zu den bedeutendsten Schauspielern Hollywoods gehört. In seiner langen Karriere wurde er bereits siebenmal für einen Oscar nominiert und gewann die Trophäe für Kramer und Kramer und Rain Man auch schon zweimal. Obwohl er in The Piano Tuner nur eine Nebenrolle spielt, gehört er mit seinem Charme und Humor und der engen Bindung, die sein Charakter mit Niki pflegt, zu den emotionalen Highlights der Geschichte.

Der restliche Cast macht einen soliden Job, sticht aber im Vergleich zu Leo Woodall, Havana Rose Liu und Dustin Hoffman nicht positiv hervor.

Regie

Regisseur Daniel Roher feiert mit The Piano Tuner sein Spielfilmdebüt, nachdem er zuvor mit seinem Dokumentarfilm Nawalny international für Aufsehen sorgte und auch den Oscar für den besten Dokumentarfilm gewann.

In The Piano Tuner setzt er einen klaren Fokus auf Rhythmus und wechselt besonders in der Mitte des Films regelmäßig zwischen ruhigen und spannenden Sequenzen. Außerdem entscheidet er sich dafür, den Zuschauer immer wieder aus Nikis Perspektive auf die Geschehnisse blicken zu lassen. Diese kreative Entscheidung verstärkt die emotionale Bindung des Zuschauers zu Niki, weil seine Geräuschempfindlichkeit dadurch noch spürbarer gemacht wird und erinnert stilistisch an den Film Sound of Metal. Abseits dieses gelungenen Perspektivwechsels bleibt die Inszenierung jedoch sehr klassisch und visuell uneinprägsam.

Nachbearbeitung

Von Beginn an besticht der Film mit effektiven Montagen, wie unter anderem von Nikis Arbeitsalltag und hat dadurch eine dynamische Wirkung auf den Zuschauer. Der Schnitt unterstützt die wechselhafte Stimmung der Geschichte und sorgt dafür, dass die verschiedenen Genres authentisch ineinandergreifen.

Das Sounddesign ist einer der wichtigsten Aspekte des Films. Regelmäßig werden Geräusche isoliert, verstärkt oder vollständig ausgeblendet, wodurch die Auswirkungen von Nikis Hyperakusis dem Zuschauer wirkungsvoll vermittelt werden. Sounddesigner Johnnie Burn, der selbst an Hyperakusis leidet, ließ seine eigenen Erfahrungen in die Klanggestaltung einfließen. Spätestens seit The Zone of Interest, für dessen Sound er einen Oscar gewann, ist er in der Film- und Soundbranche sehr angesehen.

Durch die bewusst realistische Inszenierung beschränken sich die visuellen Effekte auf unauffälligen Feinschliff.

Musik

Die musikalische Gestaltung setzt während Nikis Alltag überwiegend auf klassisches Klavier und jazzige Elemente, die sich hervorragend in seine musikalische Welt einfügen. In den kriminellen Sequenzen hingegen wird die Handlung von einem rhythmischen, spannungsorientierten Score stimmig untermalt. Dafür verantwortlich zeichnet sich Will Bates, der zuletzt auch für Filme wie Immaculate und Dumb Money die Musik komponierte, aber in The Piano Tuner seine möglicherweise stärkste Arbeit abliefert.

Ergänzt wird der Score durch passende lizenzierte Jazz- und Klassikstücke wie Cantaloupe Island von Herbie Hancock und Sinnerman von Nina Simone sowie einige für den Film komponierte Stücke von Marius de Vries, die vorwiegend für Nikis und Ruthies Klavierszenen im Film geschrieben wurden.

Filmkritk

Fazit

7.2 Ergebnis

The Piano Tuner sticht besonders durch seine ungewöhnliche und spannende Mischung aus Krimi, Musikfilm und Beziehungsdrama sowie das immersive Sounddesign hervor, das Nikis Wahrnehmung dem Zuschauer nahebringt. Die Geschichte verliert im dritten Akt zwar etwas an Glaubwürdigkeit, weil die Geschehnisse teilweise zu konstruiert wirken, aber insgesamt bleibt es ein unterhaltsamer Film, dessen starke Figuren und ihre emotionalen Verbindungen von Leo Woodall, Havana Rose Liu und Dustin Hoffman überzeugend inszeniert werden.

Fazit

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The Piano Tuner Trailer

Tags: DramaKrimiMusikfilm
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