Wenn Welten aufeinanderprallen: Ein Afroamerikaner, der als Auftragskiller für die Mafia arbeitet und sein Leben nach dem Hagakure ausrichtet. Regisseur Jim Jarmusch lässt Forest Whitaker in dieser Rolle glänzen.
Story/Inhalt
Der mysteriöse Attentäter Ghost Dog arbeitet für die italienische Mafia. Der ruhige Afroamerikaner lebt zurückgezogen auf dem Dach eines Mietshauses bei seinem Taubenverschlag und erledigt Aufträge für die Mafia. Sein bester Freund ist ein haitianischer Eisverkäufer, der nur Französisch spricht, und mit Ghost Dog Schach spielt. Das junge Mädchen Pearline schließt Freundschaft mit Ghost Dog, der ihre Vorliebe für Bücher teilt.
Eines Tages besteht der Auftrag von Ghost Dog darin einen abtrünnigen Mafioso zu töten, was er auch mit stoischer Ruhe erledigt. Die ranghohen Berater entscheiden allerdings anschließend, den Außenseiter aus dem Spiel zu nehmen. Dies ist eine für Nicht-Familienmitglieder übliche Praxis. Die Schläger machen Jagd auf Ghost Dog und begehen dabei den „Wick’schen“ Kardinalfehler: sie töten, weil sie ihn nicht finden können, seine Tauben. Ghost Dog arbeitet sich nach oben durch bis zuletzt nur noch sein „Herr“ übrig ist, den er aufgrund seines Kodex nicht böswillig angreifen darf. Der Showdown findet unter den Augen von Eisverkäufer Raymond und Pearline statt, die kurz davor das Hagakure von Ghost Dog erhalten hat und es dann mit sichtlichem Interesse liest.
Schauspieler
Forest Whitaker ist durch sein markantes Gesicht den meisten ein Begriff. Neben kleinen Rollen in Serien spielte er 1986 unter anderem in „Die Farbe des Geldes“ und „Platoon“ mit. Ein Tiefpunkt seiner Karriere war 2000 sein Mitwirken in „Battlefield Earth – Kampf um die Erde“, dafür gewann er 2006 in „Der letzte König von Schottland“ einen Oscar. 2013 spielte er in „Der Butler“ mit, was ihm eine weitere Nominierung einbrachte. 2016 war er im Remake von „Roots“ zu sehen, und nahm die Rolle von Saw Gerrara in „Star Wars. Rogue One“ ein. Außerdem war er in Black Panther zu sehen.
Die Mafia wird von John Tormey, Cliff Gorman, Frank Minucci, Gene Ruffini und Victor Argo gespielt. Den kreolischen Eisverkäufer Raymond spielt Issach de Bankolé (Casino Royale, Black Panther), die junge Pearline wird von Camille Winbush (Eraser) gespielt.
Regie
Jim Jarmusch ist für manche ein etwas gewöhnungsbedürftiger Regisseur. Bei jedem Film wechselt er Thema und Genre, wobei er zumeist Filme, die nicht für die breite Masse gedacht sind, realisiert. 1995 schickte er in „Dead Man“ Johnny Depp in einen düsteren Western, Ghost Dog war ein Mafia-Samurai-Crossover, „Only Lover Left Alive“ zeigte einen anderen Blickwinkel auf Vampire zu einer Zeit, wo diese in der Sonne vor sich hin glitzerten. Dasselbe wiederholte er (zum ersten Mal in seiner Karriere) 2019, als er mit „The Dead Don’t Die“ einen etwas anderen Zombiefilm realisierte, und damit dem Horror treu blieb. In Ghost-Dog verwendete er Ausschnitte der Serie „Die Simpsons“, in der er 2008 sich selbst bei einem Filmfestival spielte.
Nachbearbeitung
Über den ganzen Film hinweg werden die Kapitel mit Auszügen aus dem Hagakure eingeleitet, die die Motivation des Kommenden umrandet. Die italienische Mafia, selbst etwas aus der Zeit gefallen, versteht das Vorgehen von Ghost Dog schlicht nicht, der einfach seinem Kodex folgt. Hätte sein Meister das gewusst, hätte er Ghost Dog nicht zu einem Duell gefordert, sondern schlicht verlangt, dass er Seppuku begeht. Der Kodex hätte Ghost Dog geboten, dieser Anweisung ohne Widerspruch zu folgen.
Ghost Dog lebt in einem typischen Viertel für Afroamerikaner. Möchtegern-Gangster stehen an jeder Ecke und versuchen in ihren Gangfarben bedrohlich zu wirken oder rappen über ihr Leben. Die meisten blicken auf Ghost Dog mit unwissender Verachtung, da er ein einfaches Leben mit seinen Tauben ihrem Leben vorzieht. Einzig RZA, in Army-Uniform, hat Ghost Dog durchschaut und begegnet ihm mit Ehre und Respekt.
Übrigens eine klare Leseempfehlung für das Hagakure.
Musik
Viel Rap-Musik, die nicht unbedingt mein Ding ist, passend zur Umgebung, untermalt den Film. Der Wu-Tang-Clan und RZA, der einen kurzen Cameo-Auftritt hat, bieten den Soundtrack auf.
Filmkritk
Fazit
Der Samurai-Film hatte in den 1970ern bis in die 1980er seinen Höhepunkt. Jarmusch legte mit Ghost Dog nach langer Zeit wieder einen sehenswerten Beitrag dazu, der kurz darauf mit Quentin Tarantinos „Kill Bill Vol. 1 und 2“ fortgesetzt wurde. RZA, selbst ein großer Samurai-Fan, setzte mit „The Man With the Iron Fist“ seinen eigenen Film samt Fortsetzung dazu.




