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Filmkritik: Die Odyssee (2026)

von Sarah Tesch
29. Oktober 2026
in Filme, Kritiken
0
Die Odyssee szenebild

© Universal Pictures International Austria

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Es ist so weit: Nach „Troja“ (2004) wurde nun auch das zweite große homerische Epos, „Die Odyssee“, von Hollywood zu einem Blockbuster verarbeitet. Um Regisseur Christopher Nolan versammelte sich hierfür ein veritables Staraufgebot an Schauspieler*innen – angefangen bei Matt Damon und Anne Hathaway über Tom Holland und Zendaya bis zu Robert Pattinson. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.

Schauspieler – Sehr gute Leistung

Der Film sorgte bereits – wie eingangs erwähnt – mit seinem Aufgebot an Hollywoodgrößen für Aufmerksamkeit. Nicht immer nur im positiven Sinne; so wurde im Netz etwa die Besetzung des altgriechischen Epos „Odyssee“ mit nicht-griechischen Schauspieler*innen kritisiert. Den Kontroversen zum Trotz möchte ich allerdings die hervorragende schauspielerische Leistung der Darstellenden hervorheben. In den Hauptrollen zu sehen sind etwa Matt Damon (Der Marsianer) als Odysseus, Tom Holland (Spider-Man) als dessen Sohn Telemachos und Anne Hathaway (Der Teufel trägt Prada) als Penelope, die Frau des Königs von Ithaka. Weiters mit dabei sind Zendaya als Athene, Lupita Nyong’o als Helena, Robert Pattinson als Antinoos, Charlize Theron als Kalypso und Elliot Page als Sinon. Sie alle und viele weitere sorgten mit ihrem schauspielerischen Können dafür, dass die Helden der griechischen Mythologie lebendig und angreifbar wurden.

Story – Altes, neu aufbereitet

Die Story hält sich in weiten Teilen an die in der Odyssee überlieferten Abenteuer, die Odysseus, der König von Ithaka, und seine Männer auf dem Heimweg vom trojanischen Krieg bestehen. Sie begegnen dem Zyklopen Polyphem, werden von den Laistrygonen gejagt, von der Zauberin Circe verhext, entkommen der Unterwelt und steuern an den Sirenen und an Skylla und Charybdis vorbei. Nach zehn Jahren an der Küste Trojas befindet sich die Mannschaft – bzw. wer von ihr nach all den tödlichen Gefahren noch übrig ist, auf dem Heimweg. Im Gegensatz zur antiken Schilderung ist diese lange Irrfahrt nicht dem Fluch des Polyphems zu verdanken, sondern wird im Film gewissermaßen als Buße interpretiert, da Odysseus mit seiner List des trojanischen Pferdes großes Leid über die Menschen in Troja gebracht hatte – aus meiner Sicht gewinnt der Film dadurch an emotionaler Tiefe und Relatability bei einem modernen Publikum.

Regie – Meisterhaft

Die zehn Jahre andauernde Odyssee enthält eine Reihung an einzelnen Abenteuern und Geschichten – keinen Spannungsbogen im klassischen Sinn, wie wir es von modernen Filmen und Büchern gewohnt sind. Regisseur Christopher Nolan gelingt es allerdings meisterlich, die Erzählung flüssig und den Ablauf stimmig zu gestalten. Er nutzt dabei mehrere zeitliche Erzählebenen: Die Gegenwart, in der Penelope und ihr Sohn Telemachos zunehmend verzweifelt auf Ithaka ausharren und auf die Rückkehr ihres Königs warten, während dieser auf der einsamen Insel der Kalypso weilt und Schwierigkeiten hat, sich an seine Vergangenheit zu erinnern. Kalypso hilft Odysseus dabei, sich der vergangenen Ereignisse zu entsinnen, in die er gedanklich zurückkehrt und sich so die Abenteuer mit seiner Mannschaft in den Geist ruft. Odysseus und andere wie etwa Menelaos während des Besuchs des Telemachos erinnern sich auch immer wieder an die Zeit des trojanischen Krieges. Dabei schafft es der Film, diese Geschichte – die ja als Vorgeschichte der Odyssee quasi unerlässlich ist – ohne große Mühe nachzuerzählen und ihr dabei noch weitere narrative Aspekte hinzuzufügen. Positiv zu erwähnen ist auch, dass Nolan auf die Darstellung der Götter in Menschengestalt verzichtet hat und ihr Wirken als Naturgewalt bzw. als den Menschen widerfahrende Ereignisse dargestellt hat. Insgesamt fügen sich die einzelnen Erzählungen zu einem großen, komplexen Ganzen, das schließlich doch noch im finalen Kampf um Ithaka gipfelt.

Nachbearbeitung – Sehr gut

Kameraführung und Lichttechnik sind zumeist wunderbar natürlich und helfen mit, das Epos als großes Ganzes, als filmische Erzählung wahrzunehmen. Da auf die visuelle Darstellung von Götterfiguren verzichtet wurde, findet sich Übernatürliches allein in der Darstellung von Monsterwesen und Zauberei. Diese ist insgesamt gut gemacht, besondere Aufmerksamkeit hat bei mir allerdings die Verwandlung durch die Zauberin Circe hervorgerufen – eine beunruhigende Szene, die in ihrer Darstellung eigenartig gut funktioniert. An dieser Stelle möchte ich auch noch ein Wort zur „Authentizität“ im Film verlieren: Man erkennt in vielerlei Situationen die Mühe, die man sich gemacht hat, um den Film möglichst „echt“, nahbar und „authentisch“ wirken zu lassen – wie sehr auch immer das bei einem antiken Heldenepos wie der „Odyssee“ möglich ist. An einer Reihe anderer Stellen (am offensichtlichsten ist wohl die Rüstung des Agamemnon) sind wohl die Hollywood-Vorstellungen mit dem Team durchgegangen. Tatsächlich muss man einige Mankos in Sachen „Authentizität“ aber auch ganz offen der visuellen Stärke gegenüberstellen, die das Nicht-Einhalten derselben zum Teil bedingt.

Musik – Das gewisse Etwas

Die Musik ist auffallend untypisch: Statt Musik im „herkömmlichen Sinne“, gibt es hier eher archaische Klänge, die den Bildern Rhythmus geben und die Rohheit des Gezeigten unterstreichen. Der Sound wirkt altertümlicher und realer, als es dramatische Orchesterklänge getan hätten, und schafft es damit, emotional nahe an das Publikum heranzukommen. Es ist ein weiterer Aspekt, der dem Film seine eigentümlich wahrhaftige Aura gibt und ihn von Hollywood- und Nicht-Hollywood-Filmen ähnlicher Thematiken deutlich abhebt.

Filmkritk

Fazit

9.4 Ergebnis

Trotz einzelner Schwächen – die zum Teil oben angesprochen wurden – ist der Film für mich sehr gelungen. Ein komplexer Stoff wie die Odyssee, die sich unseren gewohnten Spannungsbögen entzieht, ist hier glaubwürdig und meisterhaft aufbereitet worden, während das antike Epos in weiten Teilen erhalten blieb. Sowohl durch die Darstellenden als insbesondere auch durch die Regie ist hier ein wirklich sehenswertes Werk entstanden.

Fazit

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Tags: ActionfilmFantasy
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