In der fernen Vergangenheit meiner Kindheit gab es eine Serie, für die man im wahrsten Sinne des Wortes alles Stehen und Liegen hat lassen, um keine Folge zu verpassen. ALF – Außerirdische Lebensform – ein liebenswerter Quälgeist mit einem Heißhunger auf Katzen.
Story/Inhalt
Das Leben der Familie Tanner wird auf den Kopf gestellt als Amateurfunker Willie eines Abends ein Signal empfängt. Kurz darauf stürzt ein Raumschiff in ihre Garage und beehrt sie mit einem Besucher aus einer anderen Welt. Die „Außerirdische LebensForm“ wird von der Familie versteckt und so zu einem weiteren Familienmitglied. Doch das Verhalten des Gastes ist alles andere als angenehm: sein Heißhunger auf alles, am liebsten auf die Hauskatze Lucky, frisst Vater Willie sprichwörtlich die Haare vom Kopf. Außerdem verbringt Alf den Großteil des Tages vor dem Fernseher, beschäftigt sich mit Teleshopping und stellt das Leben der Familie auf den Kopf. Immer in der Gefahr von der Regierung entdeckt zu werden, terrorisiert Alf nicht nur die Tanners, sondern auch die Nachbarn Trevor und Raquel Ochmonek. Alf freundet sich anderseits aber auch mit dem Neffen der Ochmoneks, Jake, an. Kates Mutter Dorothey glaubt in Alf eine Manifestation ihre Alkoholproblems zu sehen, als sie ihn in der Nacht auf ihn trifft. Als Kate Tanner erneut schwanger wird und mit Neal Tanner ein Baby ins Haus kommt, ist es Zeit für Alf nach Hause zurückzukehren. Doch statt des Happy Ends wird er von der Regierung gefasst.
Schauspieler
Alf, eigentlich Gordon Shumway, wird allen Episoden von einer durch Serienerfinder Paul Fusco gelenkt. In einigen Folgen ergänzte man gewisse Bewegungen durch Schauspieler Mihaly Meszaros. Alf vergibt einmal eine Chance von seinen Freunden evakuiert zu werden, um bei den Tanners zu bleiben. Beim zweiten Versuch die Erde zu verlassen, wird er von der Air Force gestellt, verhaftet und in eine geheime Forschungsanlage gebracht.
Die Familie Tanner besteht aus Vater Willie, Mutter Kate, der Tochter Lynn und dem zu Beginn jüngsten Kind Brian. In der letzten Staffel kam Neal Tanner dazu, da die Schauspielerin von Kate wirklich schwanger war.
Max Wright spielt Willie Tanner. Ein gutmütiger Beamter und Amateurfunker, der unter Alfs Eskapaden jede Folge seine dünnen Haare raufen muss. Es bleibt offen wie er sich die Fress- und Konsumorgien sowie die Schäden, die Alf verursacht, mit dem Beamtengehalt finanzieren kann. Nach der Serie hatte Wright Probleme Arbeit zu finden, war viele Jahre obdachlos und starb 2019 verarmt in Kalifornien.
Anne Schedeen spielt Kate Tanner. Die Hausfrau und Mutter Kate ärgert sich kaum weniger über Alfs Verhalten. Im Verlauf der Serie nimmt sie schließlich einen Job als Immobilienmaklerin auf, kurz bevor sie bemerkt, dass sie mit Neal schwanger ist. Anne Schedeen zog sich nach der Serie fast vollständig aus der Öffentlichkeit zurück und arbeitete als Botschafterin der Organisation Holiday Heroes. Schedeen verstarb am 14.06.2026.
Andrea Elson spielt Lynn Tanner. Der typische Teenager hat andere Probleme als der Außerirdische im Haus: etwa Freunde, College oder das erste Auto. Letzteres organisiert Alf, indem er einen Ferrari kauft und dann bei einer Ausfahrt zerstört. Auch Elson verließ kurz nach der Serie die Schauspielerei, bekam zwei Kinder und betreibt ein Yoga-Studio.
Benji Gregory war ein Werbeveteran, bevor er die Rolle des Brian Tanner annahm. Das Kind findet in Alf einen Freund und Stubenkameraden, dessen Freundschaft so tief reicht, dass Alf die erste Chance nach Hause zurückzukehren aufgibt. Je älter Brian wird, desto weniger braucht er seinen Freund zu Hause und die Geheimhaltung wird mehr zur Last. Gregory hatte nach der Serie ebenfalls Problem Rollen zu finden und zog sich aus dem Gewerbe zurück. 2024 wurde er tot in seinem Auto auf einem Parkplatz entdeckt, die Polizei geht von einem Tod durch Hitzschlag aus.
Die Nachbarn Ockmonek werden von John LaMotta und Liz Sheridan gespielt. Trevor ist ein Koreaveteran und Pilot, während Raquel alles in der Straße genau im Auge behält. So fällt ihr sofort auf, dass plötzlich viel mehr Müll anfällt und der Fernseher die ganze Nacht durchläuft. Trotz Versuche nachzubohren, schaffen es die Tanners das Geheimnis zu wahren. Als der Neffe der Ockmoneks, Jake (gespielt von Josh Blake), Alf zufällig entdeckt, behält er das Geheimnis für sich und wird ein guter Freund des Außerirdischen und der Tanners.
Regie
Insgesamt dreizehn Regisseure, inklusive Paul Fusco selbst, übernahmen Folgen. Die meisten drehte Nick Havinga mit 30 Folgen. Im typischen Serienformat der Zeit wurde mit wenigen Kulissen und Kamerawinkeln gearbeitet. Die meisten Handlungen finden im Wohnzimmer, der Küche oder der Garage, die aus einer Frontalen oder ein bis zwei weiteren Winkeln gefilmt werden. Außenszenen werden selten verwendet, und dann oft nachts oder in Form von Außenansichten auf das Haus der Tanners.
Nachbearbeitung
Obwohl die Serie über die Mehrheit der Laufzeit bei den Zuschauern beliebt war, war die Arbeit daran die Hölle. Alle Beteiligten kritisieren die langen Drehtage, die Funktionalität der Alf-Puppe und das Verhalten von Paul Fusco gegenüber Cast und Crew. Die Kosten waren sehr hoch, sodass Merchandise und eine Zeichentrickserie nötig waren, um die Lücken zu stopfen.
Der Hintergrund des Außerirdischen wird im Verlauf der Serie stückweise preisgegeben. Alf hat mehrere Geschwister, was in der Zeichentrickserie weiter ausgeführt wird. Seine Freundin Rhonda und zwei weitere Freunde gehören ebenfalls zu den Überlebenden des Planeten Melmac, der explodierte, weil zu viele Geräte gleichzeitig am Stromnetz hingen und jemand einen Haartrockner einschaltete.
Katzen sind eine Spezialität auf Melmac, und Alf vermisste gepressten Katzensaft am meisten. Bei acht Mägen ist sein riesiger Lebensmittelbedarf kein Wunder. In Alfs Schiffswrack lagern einige Vorräte, die unter anderem eine Weltraumkakerlake enthalten. In dieser Folge erwähnt Alf, dass die Stadt Detroit (es gibt Detroit nicht nur in Michigan, sondern auch auf Melmac) aufgrund dieser Kakerlaken zerstört wurde. Diverse Feiertage bringt Alf durcheinander, indem er sie in Melmac’scher Tradition begehen will: so zersägt er den Weihnachtsbaum. Auch will er verhindern, dass die Menschheit dieselben Fehler macht wie Melmac – so nutzt er die Funkanlage unter anderem, um die Air Force One anzurufen, was fast zu seiner Enttarnung durch die Behörden führt.
Nach Komplikationen bei der Verlängerung der Serie wurde schließlich versucht mit einem Cliffhanger abzuschließen. Alf wird von der Air Force verhaftet. Doch das kam bei den Fans nicht gut an, sodass mit „Alf – der Film“ dieses Szenario aufgelöst wurde.
Audiokassetten, und später CDs, waren eine weitere gute Einnahmequelle. Die Alf-Kassetten habe ich so oft gehört, dass die meisten am Ende kaum noch funktionierten. Folgen wie „Hallo da bin ich“ (Pilotfolge), „Die Nacht, in der die Pizza kam“ (Trevor bewundert den gepolsterten Klositz der Tanners), „Parasit mit Puderquaste“ (Alf will Vertreter für eine Kosmetiklinie werden) und „Die Spritztour“ (Alf kauft für Lynn einen Ferrari) hätte ich mir ohne Ton ansehen können und trotzdem alles im Kopf gehabt. Der Detroit-Witz aus „Der Kammerjäger und Kakerlake“ poppt ebenfalls sofort auf, wenn irgendwo die Motorcity erwähnt wird.
Musik
Das Titellied mit dem Klavierintro geht ins Ohr, und das Lied „Stuck on Earth“ aus der Folge „Hilf mir, Rhonda“ schaffte es sogar in die Charts. In DVD-Releases sind aus rechtlichen Gründen die meisten Lieder entfernt worden, sodass einige Folgen sogar unter 20 Minuten Laufzeit haben.
Filmkritk
Fazit
Erst bei der Ansicht der DVD-Box habe ich festgestellt, dass der Fernsehsender ORF (Österreichischer Rundfunk) die Folgen nicht in derselben Reihenfolge veröffentlich hatte wie vorgesehen, und zumeist nur die ersten beiden Staffeln ausstrahlte. Unabhängig davon war der Zeit Slot zwischen 18:30 bis 18:50 heilig und unantastbar. Man wollte nicht das Kind sein, dass die gestrige Folge nicht gesehen hatte. Leider war Alf kein gutes Pflaster für die Schauspieler. John LaMotta äußerte sich sehr negativ über die Serie, und die Schicksale und Werdegänge der Schauspieler zeigen, dass Hollywood, und Serien sogar noch mehr, ein hartes Pflaster sind. Max Wright starb verarmt und obdachlos, Benji Gregory litt unter psychischen Problemen, und andere Schauspieler zogen sich danach aus der Branche zurück. Alf ist eine schöne Kindheitserinnerung für mich, die beim Bingen jedoch einiges an Magie verloren hat. Nicht nur wegen der Hintergründe rund um die Schauspieler und deren Schicksale, sondern auch dem Finale geschuldet und dem kaum besseren Abschluss in Form von „Alf – der Film“.





