Das Spiderverse von Marvel hat viele Gegenspieler hervorgebracht, die teils besser, teils schlechter umgesetzt waren. Ein Favorit bei den Fans, der aber in den Filmen davor nie gut wegkam, war der außerirdische Symbiont Venom, der mit seiner menschlichen Hülle Eddie Brock Spiderman einiges Kopfzerbrechen bescherte. Doch seine Darstellung in Spiderman 3 war bestenfalls schlecht (was aber nicht an Schauspieler Topher Grace lag). Als für 2018 eine Solo-Film angekündigt wurde, war ich skeptisch, ob sie dem schleimigen Bösewicht Genüge tun würden – bis Tom Hardy als Venom präsentiert wurde. Aufatmen… oder?
Story/Inhalt
Die erste Überraschung: wir sind weit weg von New York. Denn wir sind nicht in der primären Zeitlinie (vorerst werden sich seine Wege nicht mehr Spiderman kreuzen), sondern am anderen Ende der USA: nachdem eine Recherche gegen die Life Foundation seinen Ruf ruinierte, musste Eddie Brock neu anfangen. An der Westküste kreuzen sich die Wege der beiden jedoch wieder. Brock bricht in ein geheimes Labor ein und dokumentiert dort Experimente an Obdachlosen. Bei einem Zwischenfall kommt er in Kontakt mit dem schwarzen Schleim, der den Symbionten Venom enthält. Die Symbiose ist nicht einfach, doch nachdem sich der Alien und der Reporter einigen können – eine Symbiose eingehen – haben sie ein Problem. Venom ist nur ein Soldat einer Vorhut einer Armee von Symbionten, die die Erde im wahrsten Sinne des Wortes auffressen und verschlingen wollen. Brock/Venom muss verhindern, dass CEO der Life Foundation sein Raumfahrtprogramm startet, was der Kommandant der anderen Symbionten als Einfallstor nutzen will.
Schauspieler
Tom Hardy (The Bikeriders, Dunkirk) hatte in der zweiten Hälfe der 2010er-Jahre einen Lauf, was seine Rollen anging. Dass er mittelfristig im MCU auftauchen würde, war nur eine Frage der Zeit. Rollenprofile hätte es genug gegeben. Stand 2018 war es etwas überraschend, dass er ausgerechnet im Sony-Spiderverse unterkommen würde. Doch Hardy enttäuschte nicht und ließ uns Spiderman 3 sofort vergessen. Dieser Version des Eddie Brock gab er einen eigenen Charakter, natürlich mit dem obligatorischen Motorrad und spitzzüngigen Wortgefechten zwischen Brock und Venom. Sie ergänzen sich wie Yin und Yang, und haben beide Interesse die Invasion zu stoppen: Venom, weil er ein Deserteur ist, und Brock weil er kein Häppchen werden will.
Riz Ahmed (Sound of Metal, Star Wars: Rogue One) gewann 2022 einen Oscar für den Kurzfilm „The Long Goodbye“, obwohl er dort ohne Nennung mitspielte. In Venom spielt er einen exzentrischen Tech-CEO, der mit der Life Foundation behauptet das Leben besser machen zu wollen, aber gleichzeitig skrupellos in der dritten Welt Labore unterhält und auch an Obdachlosen experimentiert. Ähnlichkeiten mit einem exzentrischen lebenden Unternehmer sind rein zufällig (und das ist 2018, also lange bevor dieser Unternehmer offen in die Politik eingriff).
Reid Scott (Veep, diverse animierte Batman-Serien) spielt Dr. Dan Lewis. Beim Übergang der Symbiose lernt er Venom kennen und tritt in beiden Fortsetzungen wieder auf. Eigentlich ist er nur der neue Freund von Eddie Brocks Ex-Freundin.
Peggy Lu spielt Mrs Chen, eine Ladenbesitzerin, bei der Brock einkauft. Bei einem Überfall schüchtert Venom den Dieb ein, indem er sich zeigt. Auch Mrs. Chen kam in allen Fortsetzungen vor.
Michelle Williams (Manchester by the Sea, My Weekend with Marilyn) spielt Eddies Ex-Freundin. Außerdem hat in der Abspannszene noch Woody Harrelson einen Kurzauftritt als Serienmörder Carnage, der in der Fortsetzung der Hauptgegenspieler wurde.
Regie
Ruben Fleischer führte unter anderem in „Zombieland“ Regie und produziert die meisten seiner Filme mit. Venom neues Leben einzuhauchen, vor allem mit der Vergleichsvariante aus Spiderman 3, war eine Herausforderung. Da profitierte eigentlich alles von der Tatsache, dass er am anderen Ende der USA ohne Spiderman, sein eigenes Ding macht. Dazu schaffte es Fleischer aus Tom Hardy alles rauszukitzeln, sodass dieser Eddie Brock ein Charakter ist, mit dem man mitfühlen kann (noch Mal: kein Vorwurf an Topher Grace). Natürlich ließ es sich Fleischer aber nicht nehmen ein paar, damals aktuelle, Seitenhiebe auf die Gesellschaft einzubauen.
Nachbearbeitung
Die Animation von Venom ist dieses Mal bedeutend besser gemacht, und auch von einer lächerlichen Tanzeinlage wird abgesehen. Venom stülpt sich wie eine Kapuze über Eddies Körper und verschafft ihn dadurch die Resistenz des Aliens, mit seinen üblichen Schwächen: frequentierter Schall und Feuer.
Die Wandlung von Eddie während des Symbiose-Prozesses ist ebenfalls gut eingesetzt, wobei man bezüglich Make-up Hardy hier auch gut in Zombieland hätte parken können.
Venom wird auch nicht auf die verfressene grausame Alien-Kreatur reduziert, sondern ist, obwohl nur ein einfacher Soldat der Symbionten, ein vielschichtiger, individueller Charakter. Einerseits hat er keine Probleme Menschen zu fressen (wir fragen mal nicht wie Eddies Verdauung damit klarkommt), er würde auch gerne aus Pyramide aus Köpfen der Gegner bauen, andererseits lieber er Hühnchen (roh, lebendig, im Wohnzimmer gehalten). Gleichzeitig kommt ihm nie der Gedanke Mrs. Chu zu verschlingen, niemals.
Musik
Die Spiderman-Hymne „A New Universe“ von 2018 musste natürlich rein, um trotz Sony Spiderverse die Möglichkeit offen zu halten, dass sich dieser Eddie und der Spinnenmann irgendwann begegnen könnten.
Weitere Songs sind unter anderem „Venom“ von Rapper Eminem, „Black Gold“ von Eagle Eye Williams, oder „No Problem“ von Pusha T.
Filmkritk
Fazit
Venom brachte diesem Charakter endlich einen Film, der seiner Beliebtheit entspricht – vieles ist dabei Tom Hardy zu verdanken. Selbst ohne die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft kann Venom gut unterhalten, und uns wurde gleich gezeigt, dass dieser Anti-Held sich bald seiner Nemesis wird stellen müssen. Denn mir Cletus Cassidy, alias Carnage, wurde in der Abspannszene gleich die Fortsetzung geteasert.

