Unter der Regie von Maggie Gyllenhaal kehrt die Braut von Frankenstein auf die große Leinwand zurück und wird zur Keimzelle einer (fiktiven) Revolution der Frauen, die 1930 umkrempelt.
Story/Inhalt
Ida riskiert eine große Lippe gegen die Mafia in einem ihrer Clubs, was damit endet, dass sie eine Treppe hinunterstürzt und in einem Armengrab verscharrt wird. Zeitgleich wendet sich „Frank Enstein“, das Monster, an Doktor Euphronius, die eine Vorreiterin auf dem Gebiet der Reanimation ist. Selbst 1817 erschaffen, leidet Frank an einer extremen Form der Einsamkeit, die er bisher mit regelmäßigen Kinobesuchen behandelt hat. Doch jetzt braucht er eine Braut, vorzugsweise eine Gute.
Ida wird zurückgebracht, doch nicht alles läuft perfekt. Neben Gedächtnisverlust über ihre Identität vor dem Grab leidet sie an Stimmungsschwankungen, die dem Geist der Mary Shelley gedankt sind, die versucht die Kontrolle zu übernehmen und auch indirekt für Idas Tod verantwortlich war. Sie will nur noch „die Braut“ genannt werden.
Bei einer hitzigen Nacht in einem Club versuchen zwei Männer Ida näher zu kommen als ihr Recht ist, was dazu führt, dass Frank seine Braut verteidigt und die beiden brutal tötet. Auf der Flucht nach New York stürzt ein Eisenbahnpolizist aus dem Zug und stirbt. Das erregt die Aufmerksamkeit der beiden Polizisten Jake Wiles und Myrna Malloy- Jake ist ausgebrannt und unwillig. Myrna hingegen macht die ganze Ermittlungsarbeit, wird von ihrem Kollegen aber bestenfalls als Sekretärin wahrgenommen und zumeist komplett ignoriert.
In New York geht der Zerstörungsfeldzug der Braut weiter, der Frank gefangen zwischen Liebe und Ablehnung folgt. Bei einem Event trifft er sein großes Filmidol Ronnie Reed, wird aber bitter von dem Schauspieler enttäuscht, da Frank eine Freundschaft ersonnen hat, die zwischen dem Leinwandhelden und dem Zuschauer natürlich nicht bestehen kann.
Eine Szene von Ida ruft die Polizei auf den Plan, wobei Ida von „Brain Attack“ schwadroniert und einen Polizisten erschießt. Dies löst nicht nur eine Bewegung von Frauen aus, die mit Brain Attack ihre Rechte durchsetzen wollen, sondern erweckt auch die Aufmerksamkeit der Mafia. Ida sollte eigentlich unter der Erde sein, statt Probleme zu machen.
Während Frank und die Braut auf dem Weg zu den Niagara-Fällen sind, um nach einem weiteren Ronnie Reed Film zu heiraten, kehrt die Erinnerung teilweise wieder zurück. Ida war eine Informantin für die Polizei und zerbrach unter dem Druck der Tätigkeit, was Mary Shelley Tür und Tor öffnete. In einem Autokino wird Frank angeschossen, die Braut bringt ihn zurück zu Doktor Euphronius. Doch sowohl die Mafia als auch die Polizei sind ihnen dicht auf den Fersen und wollen die Monster töten.
Schauspieler
Jessie Buckley (Hamnet, Men – Wer dich sucht, wird dich finden) spielt sowohl Mary Shelley, das It-Girl Ida und die Braut. Eine dreifache Belastung, die sie perfekt meistert. Mary Shelley ist ein Spiegel ihrer Zeit, verrückt und zerrissen im Schatten ihres Mannes, der trotz weniger Talent mehr Aufmerksamkeit erhielt. Ida ist ein Kind der Roaring Twenties, in einer Mischung aus Drogen, Alkohol und Exzess. Die Braut ist ein ungeplant zurückgekehrtes Ding, dass seinen Platz in der Welt sucht und in Erinnerungsfetzen und Eindrücken erstickt. Der Wahn, gesponnen aus Mary Shelley und Ida, gibt der Braut die Macht eine Bewegung zu starten.
Christian Bale (American Hustle, Thor – Love an Thunder) spielt das Monster, das die Identität von Frank Enstein angenommen hat. Seit über 100 Jahren ist er nun auf der Suche nach einer Gefährtin. Mit seiner Braut bekommt er jedoch mehr, als er erhofft hat. Getrieben von dem Wunsch ein normales Leben zu führen, trottet er hinter der Braut her und lebt in der Illusion mit Ronnie Reed befreundet zu sein. Als er sein Idol trifft, wird er nicht nur hier bitter enttäuscht.
Annette Benning (American Beauty) spielt Doktor C. Euphronius. Denselben Vorurteilen wie Mary Shelley ausgesetzt, verbirgt sie ihr Geschlecht hinter dem Kürzel C. Euphronius. Von Frank fasziniert, hilft sie ihm bei der Erschaffung der Braut, in der Hoffnung, beide studieren zu können. Nachdem die beiden Monster auf der Flucht sind, kann sie ihre Spur nur in den Zeitungen verfolgen, bis die Braut Frank mit einem Kopfschuss zurückbringt und eine Wiederbelebung verlangt. Doktor Euphronius lebt mit ihrer Haushälterin und Assistentin Greta zusammen, gespielt von Jeannie Berlin (The Fablemans).
Penélope Cruz (Ferrari, Fluch der Karibik – Fremde Gezeiten) spielt Myrna Malloy, die zwar ein guter Polizist wäre, aber als Frau hinter ihrem Partner zurückstehen muss. Selbst wenn ihr Partner, sich dessen wohl bewusst, zurücktritt, muss sie fast mit Gewalt ihre Autorität durchsetzen. Nach „Brain Attack“ ist sie nicht sicher, ob sie die Monster wirklich aufhalten oder unterstützen soll. Peter Sarsgaard (The Batman) spielt ihren Partner Jake Wilkes.
Jake Gyllenhaal (Nightcrawler, Brokeback Mountain) spielt Schauspieler und Tänzer Ronnie Reed.
Regie
Maggie Gyllenhaal war als Schauspielerin erfolgreich. „Secretary“ stellt eine realitätsnähere Version von „50 Shades of Grey“ dar, erschienen viele Jahre vor der unerträglichen Filmtrilogie. Mit Christian Bale arbeitete sie in „Batman – The Dark Knight“ zusammen, 2010 war sie in „Crazy Heart“ für den Oscar als beste weibliche Nebenrolle nominiert.
Als Produzentin war sie für die Serie „The Deuce“ verantwortlich und wurde 2022 für den 2021 erschienenen Film „Frau im Dunkeln“ für den Oscar nominiert. The Bride ist ihre zweite Regiearbeit für einen Film.
Nachbearbeitung
Wie Frankenstein selbst ist der Film ein Flickwerk aus verschiedenen Handlungen: Er ist Mafia-Film der 1930er in Chicago, Monsterfilm, Liebesfilm, Tanzfilm und ein Aufguss von „Bonnie und Clyde“. Aber alles der Reihe nach.
Ida ist ein Spitzel der Polizei und stirbt als ihre Deckung durch den Einfluss von Mary Shelleys Geist fällt. Die Mafia glaubt, den Singvogel unter der Erde zu haben. Doch plötzlich taucht sie als Braut auf den Titelblättern der Zeitungen wieder auf.
Frank, und natürlich die Braut, sind Monster. Seit dem Ersten Weltkrieg kann Frank seine Narben als Zeichen des Krieges deuten lassen, doch die Menschen haben Angst vor ihm. Nach dem Mord an den beiden aufdringlichen Clubbesuchern, die die Offenheit der Braut als Einladung ansahen, bildet sich sofort ein Mob mit Fackeln, der sie jagt. Je größere Wellen „Brain Attack“ schlägt, desto größer wird der Mob. Doch sie sind kaum besser als die Monster, die sie jagen.
Zu Beginn ist der Liebe nur einseitig von Frank ausgehend. Doch seine Treue bringt die Braut in ihrer Launenhaftigkeit dazu. seinen Antrag anzunehmen. Erst nachdem Frank in den Kopf geschossen wurde, ist auch sie ihm endgültig verfallen und bringt Frank zurück zu Doktor Euphronius.
Nicht zuletzt ist ihre Reise zwischen Chicago und New York weiter zu den Niagara-Fällen eine Geschichte wie von Bonnie und Clyde. Nach dem Erklären der „Brain Attack“ in New York, zu diesem Zeitpunkt sind bereits drei Menschen tot, erschießt die Braut einen Polizisten. Daraufhin schließen sich immer mehr Frauen der Bewegung an, schminken sich wie die Braut, und reagieren auf die Unterdrückung der Männer mit Gewalt. Dadurch werden immer mehr Exekutivbeamte auf die Monster angesetzt, mit durchzogenem Erfolg wohlbemerkt, bis in einem Autokino ein Zufallstreffer Frank fällt. Das große Massaker im Labor, wo die Mafia die Braut töten will, erinnert an ein typisches Mafia-Massaker, obwohl die Polizei nur in den Hinterhalt der Mafia einsetzt.
Frank flüchtete sich in eine Traumwelt, in der er mit Ronnie Reed in Tanzfilmen die Hauptrolle einnimmt. Diese Einlagen, orientiert an zeitgenössischen Filmen der Zeit, sind ein Ventil für Franks Einsamkeit.
Musik
21 Songs werden verwendet. Dazu gehören klassische Instrumentalstücke, Swing und Jazz und die Musik der Filme, die Frank im Kino ansieht. Zum Abspann wird der „Monster Mash“ von Pickett and the Crypt Keepers.
Filmkritk
Fazit
Die Schauspieler überzeugen, doch das Gesamtbild ist wie Frankensteins Monster: aus vielen Teilen zusammengesetzt ergibt es eine Kreatur, die ungelenk daher wankt. Die Tanz- und Musicaleinlagen sind für manche Zuschauer etwas gewöhnungsbedürftig, und die Gründung einer feministischen Bewegung dürfte auch einigen der Zuschauer befremdlich sein. Nicht zuletzt bleibt nur zu hoffen, dass nicht überall der Geist der verrückt gewordenen Mary Shelley darauf wartet die Kontrolle zu übernehmen.




