Mit „Jingle Bell Heist“ hat Netflix einen eher ungewöhnlichen Weihnachtsfilm ins Programm gebracht: Die Protagonisten Sophia und Nick planen, in einem Londoner Kaufhaus am Weihnachtsabend einen großen Coup durchzuziehen, um ihren wirtschaftlichen Sorgen zu entkommen. Der Film kombiniert daher in bester Heist-Manier Komik mit Nervenkitzel – und natürlich dürfen auch große Gefühle nicht fehlen.
Schauspieler – Dynamisches Duo
Der Film kommt mit einem eher kleinen Ensemble aus und fokussiert sich auf die beiden Hauptcharaktere Sophia (Olivia Holt) und Nick O’Connor (Connor Swindells). Zusammen geben sie ein gutes Duo ab: Sophia wuchs als Tochter einer alleinerziehenden Mutter in den Vereinigten Staaten auf, arbeitet in einem Kaufhaus und in einer Bar, um ihre krebskranke Mutter zu unterstützen und schreckt vor gelegentlichem Diebstahl nicht zurück. Nick ist ein ruhiger Typ, ein „Computernerd“, Vater einer kleinen Tochter und war bereits mit dem Gesetz in Konflikt. So kontrovers die Charaktere angelegt sind, so füllen Olivia Holt und Connor Swindells die beiden Persönlichkeiten dennoch aus und schaffen es, Sophia und Nick und ihre jeweiligen Ängste, Träume und Motive gut zu verkörpern.
Story – Ungewöhnliche Weihnachtsgeschichte
Die junge Sophia ist mit ihrer an Krebs erkrankten Mutter von den Vereinigten Staaten nach London gezogen, um sich die medizinische Behandlung besser leisten zu können. Sie hat zwei Jobs, um sich und ihre Mutter zu versorgen: Sie arbeitet in einem großen Luxuskaufhaus, das Maxwell Sterling gehört, einem reichen Geschäftsmann mit fragwürdigem Charakter. Sophia selbst scheint ein talentierter Langfinger zu sein und lässt gelegentlich Bargeld mitgehen. Nick hingegen ist Computerspezialist, der die Überwachungskameras im Kaufhaus installiert hat, dann aber wegen Diebstahls angeklagt und verurteilt worden ist. Die beiden finden durch recht ungewöhnliche Umstände zueinander und könnten jeweils kurz vor Weihnachten finanzielle Unterstützung gut gebrauchen. Da beschließen sie in einer Haltung von Übermut, Trotz und Ausweglosigkeit, gemeinsam den Kaufhausbesitzer Maxwell Sterling auszurauben – was zwar einerseits zu ihrer jeweiligen Situation passt, nicht aber zum Charakter: Keinem von beiden traut man ein solches Verbrechen wirklich zu, obwohl sich beinahe die ganze Handlung um den großen Coup dreht. Insofern ist der Film nicht nur unterhaltsam aufgrund der ihm eigenen Komik, sondern schafft es auch durchwegs, die Spannung aufrechtzuerhalten: Werden sie oder werden sie nicht?
Regie – Interessantes Projekt
Wie zuvor angemerkt, ist „Jingle Bell Heist“ eine Mischung aus Comedy, Action und Romantik. Der Film schöpft zum einen aus einer Situationskomik, die vor allem durch die Schauspielenden getragen ist. Zum anderen begleitet die Handlung stets ein gewisser Nervenkitzel: Wie beschrieben, traut man beiden Protagonisten charakterlich keinen millionenschweren Coup zu, allerdings sind beide schlau, benötigen das Geld und sind auf Maxwell Sterling nicht besonders gut zu sprechen.
Für mich war es gerade dieses Spannungsfeld, welches die Dramatik des Films ausgemacht hat. Dazu passt auch das Tempo der Erzählung: Der Film kommt recht schnell zur Sache, dennoch bleibt Zeit, Sophia und Nick ausreichend kennenzulernen. Die beiden kämpfen mit technischen Rückschlägen und ihrer eigenen Moral, dennoch baut sich die Handlung zu dem „einen großen Ding“ auf. Trotz allem – oder vielleicht gerade deswegen – hat der Film auch viele gefühlvolle Momente, wie sie bei einem Weihnachtsfilm natürlich nicht fehlen dürfen: Da ist die anbahnende Freundschaft zwischen Olivia und Nick, Olivias Beziehung zu ihrer kranken Mutter, die sie so oft es geht, im Krankenhaus besucht. Da ist das Band zwischen Nick und seiner kleinen Tochter und die Versprechen, die er ihrer Mutter gegeben hat. Und natürlich hat das ganze einen ernsten Hintergrund: Es sind finanzielle Sorgen und das Verantwortungsgefühl einem geliebten Menschen gegenüber, die Sophia und Nick auf diese Weise handeln lassen. Bei allem Humor und aller Heist-Action kommt auch dieser Aspekt der Geschichte nicht zu kurz.
Nachbearbeitung – Passt gut
Der Film ist farblich in einer Art Pastellwelt angesiedelt, deren Farben einen Hauch von Retro-Chic verbreiten, ohne dabei kitschig zu wirken. Dazu spielt der Film auffallend mit Trickblenden und kreativen Szenenübergängen. Das verleiht ihm eine zusätzliche Dynamik und lässt das Bild oft interessanter wirken. Diese Techniken fügen sich gut in das geschäftige und durchaus ausgefuchste Treiben der beiden Protagonisten in den Tagen vor Weihnachten.
Musik – Klasse Soundtrack
„Jingle Bell Heist“ verfügt über einen umfangreichen Soundtrack, der die jeweiligen Stimmungen musikalisch trägt. Insgesamt wird innerhalb des Films viel über passende Musik transportiert, was auch sehr viel zum Wohlfühl-Faktor der Story beiträgt. Natürlich darf dabei auch das eine oder andere Weihnachtslied nicht fehlen.
Filmkritk
Fazit
Mir hat der Film großen Spaß gemacht; als eine gute Mischung aus Spaß, Action und Gefühlen sticht er für mich aus anderen Weihnachtsfilmen hervor. „Jingle Bell Heist“ schafft es, eine gewisse Weihnachts-Hochstimmung zu erzeugen, ohne übermäßig kitschig zu werden, was ich persönlich dem Film hoch anrechne. Die ungewöhnliche Thematik finde ich für einen Weihnachtsfilm erfrischend, was andere – „klassischere“ – Elemente der Story weniger klischeehaft wirken lässt. Auch für die eine oder andere interessante Wendung ist gesorgt – was aber nicht heißen soll, dass der Film völlig unvorhersehbar wäre. Der ernste Hintergrund bleibt durchaus bestehen und bietet Komik und Action einen Rahmen, um zu wirken, ohne ins Lächerliche abzugleiten. Insgesamt bietet der Film gute Weihnachtsunterhaltung für alle, die wie ich weniger den „klassischen“ Weihnachtsfilmen zugeneigt sind, aber dennoch keine reine Lachnummer sehen wollen.




