Während bei Meteor, Deep Impact und Armageddon die Felsbrocken aus dem All mehr oder weniger rechtzeitig zerstört werden konnten, zwingt in Greenland Komet Clarke die Zivilisation, wie wir sie kennen, in die Knie. Leider startete der Film zu einem undenkbar schlechten Zeitpunkt in den Kinos: nämlich im Oktober 2020, kurz vor dem zweiten Lockdown der Covid-19-Pandemie.
Story/Inhalt
Ein Komet mit dem Namen Clarke wird erst wenige Wochen bevor er die Erde passieren wird, entdeckt. Wissenschaftler und Experten sind sich einig, dass nur kleine Stücke seines Schweifs ohne große Schäden einschlagen könnten. So wird Clarke, wie im Sommer 2025 Elch Emil, ein weltweites Phänomen, dem die Medien folgen. Doch als die ersten Stücke in der Nähe der Bahamas in den Atlantik fallen sollen, ändert sich alles: denn die Stücke legen Florida in Schutt und Asche. Beinahe stündlich werden neue Berechnungen angestellt, die die schlimmsten Befürchtungen übertreffen. Clarke wird zum Planetenkiller.
John Garrity ist ein Bauingenieur und wird ausgewählt mit seiner Familie in einen Schutzraum verbracht zu werden. Die Straßen sind allerdings bereits verstopft und sein achtjähriger Sohn verliert bei der Suche nach seiner Kuscheldecke seine Insulinpumpe. Am Militärstützpunkt, von dem die Evakuierung starten soll, wird seine Familie deswegen aussortiert: chronisch Kranke dürfen nicht mit. Da die Garritys getrennt werden, müssen sie sich getrennt zu Allisons Vater nach Kentucky durchschlagen. Zwei weitere Flüchtlinge versuchen unterwegs den Sohn Nathan als Geisel zu nehmen und sich damit einen Platz zu erschleichen, was natürlich scheitert. Trotz des Chaos finden Allison und Nathan zusammen und treffen in Kentucky auch auf John. Ihre letzte Chance ist nach Norden zu fahren, von wo aus private Maschinen Richtung Grönland starten. Die Zeit drängt, die Einschläge häufen sich und das Chaos und die Anarchie nehmen zu. Greenland or Bust!
Schauspieler
Gerard Butler (Criminal Squad 2, Kandahar) spielt den Bauingenieur John, der aufgrund seiner Kenntnisse eine Schlüsselfunktion beim Wiederaufbau hätte. Doch er gibt sein Ticket auf, nachdem Nathan abgewiesen wird, und ein Unfall die Flugzeuge zerstört. Mit viel Einsatz bringt er seine Familie nach Norden, verliert dabei trotz allem aber nie seine Menschlichkeit und Empathie.
Morena Baccarin (Deadpool 1-3, Homeland) spielt Allison, die Frau und Mutter von Nathan. Sie kämpft wie ihr Mann mit Zähnen und Klauen dafür, ihren Sohn zu retten. Ihr fehlt jedoch die körperliche Masse, um sich beispielsweise gegen die Entführer durchzusetzen. Nathan wird von Roger Dale Floyd (Stranger Things) gespielt.
Scott Glenn (Training Day) spielt Allisons Vater. Der Farmer in Kentucky hat sich mit seinem Schicksal arrangiert, wahrscheinlich zu sterben und macht das Beste daraus, ermahnt John aber auf jeden Fall seine Familie zu schützen.
Regie
Ric Roman Waugh arbeitete schon mehrfach mit Butler zusammen, etwa im „Angel has fallen“-Franchise. Seine Spezialität sind eigentlich Gefängnisfilme, etwa „Felon“ (mit Stephen Dorff und Val Kilmer), „Snitch – ein riskanter Deal“ (mit Dwayne Johnson) oder „Shot Caller“ (mit Nikolaj Coster-Waldau und Jon Bernthal). Nach Greenland führte er Regie in Kandahar und realisiert auch die Fortsetzung Greenland 2, die im Januar 2026 in den Kinos startet.
Nachbearbeitung
Die Geschichte rund um den Kometen Clarke und den damit verbundenen Umgang mit den Medien ist sehr realistisch umgesetzt. Das Ergebnis, wie man mit der Situation umgeht, ist realistischer als in anderen Filmen mit ähnlichem Plot: Keine Nation versucht, ihr Atomarsenal darauf zu feuern, es gibt keine heroischen Selbstmordmissionen und auch kein schnelles Bohrtraining für ein paar Ölbohrer, um den Felsen zu sprengen. Einfach nur Panik und Chaos.
Während die Zivilisation schon vor den ersten Einschlägen den Bach runtergeht und Anarchie sich durchsetzt, verhalten sich einzelne anders. Soldaten verrichten stoisch ihren Dienst und sichern die Evakuierung, wohl wissend, dass sie kein Ticket haben. Andere zeigen Mitleid mit gestrandeten Personen und helfen, etwa der Plünderer in der Apotheke, der Allison die richtigen Medikamente raussucht, während die Entführer von Nathan sich an jeden erdenklichen Strohhalm klammern.
Der finale Einschlag verheert die Erde und im Abschluss wird eine Bildserie von zerstörten Metropolen gezeigt, in den ihre Wahrzeichen nur noch als Ruinen daran erinnern, dass hier vor wenigen Jahren noch Millionen lebten.
Musik
Die Musik reicht von einer Interpretation von Amazing Grace zu einigen Easy-Listening-Hits.
Filmkritk
Fazit
Obwohl es sicher eine der realistischeren Darstellungen eines Asteroiden-Films ist, war der schlechte Kinostarttermin nur einer der Gründe, warum Greenland nicht allzu erfolgreich war. In Zeiten der Krise sind Katastrophenfilme nicht unbedingt die erste Wahl. Und insgesamt hat Greenland nicht wirklich viel, was ihn inhaltlich von anderen Katastrophenfilmen abgrenzt. Abgesehen von Butler keine großen Namen, und einen zum damaligen Zeitpunkt eher unbekannten Regisseur. Anscheinend mangelt es in Hollywood aktuell jedoch so an frischen Ideen, dass sogar einem durchschnittlich erfolgreichen Film eine Fortsetzung gegeben wird. Wir hoffen das Beste für die Welt, wenn die ausgewählten Amerikaner aus ihrem Bunker kriechen und die Welt für sich beanspruchen.


