Ein lange überfälliges Remake des besten Films 1997: Anaconda. Zumindest wenn man den Worten der Protagonisten Glauben schenkt. Auf jeden Fall werden Leute von einer Riesenschlange terrorisiert.
Story/Inhalt
Zwei Männer in ihrer Midlife-Crisis entscheiden sich einen Kindheitstraum zu erfüllen und ein Remake des besten Films auf dem Jahr 1997 zu realisieren (ihre Worte). Doug produziert Hochzeitsvideos und ist, obwohl sein Chef Jerry in Aussicht stellt, dass er den Laden bald übernehmen könnte, deutlich unzufrieden. Ron ist ein gescheiterter Schauspieler, der vor der Entscheidung steht: zurück ins normale Leben oder einen Aufhänger finden, um seine Karriere wiederzubeleben. Allerdings schätzt die Bank ihren Kreditrahmen so gering ein, dass sie im Projekt deutlich abspecken müssen: keine Stars, kein aufwendiges Set Design. Nur ein Skript aus Dougs Feder, die Rechte von Sony (die Ron besitzt), zwei Freunde und der lokaler Helfer Santiago, der eine echte Anaconda besitzt.
In Brasilien angekommen scheint alles gut zu laufen, bis durch einen Unfall die Schlange in der Schiffsschraube zerstückelt wird. Nachts gehen Santiago und Ron auf die Jagd nach einer neuen Schlange, wobei Santiago spurlos verschwindet. Der Captain ihres Schiffs, die schöne Ana, drängt jedoch auf Weiterfahrt. Doug hat sich verguckt und schreibt das Skript um, damit Ana die weibliche Hauptrolle spielen kann.
Die ganze Produktion droht zu scheitern: keine Schlange, kein Guide, und zu allem Überfluss passiert eine umfangreiche Filmcrew das Boot, die wirklich ein Remake von Anaconda drehen. Ron besitzt die Rechte gar nicht und hat darüber gelogen. Allerdings spielt auch Ana ein doppeltes Spiel: sie ist eine Kriminelle, die ihr illegal gewaschenes Gold abtransportieren will. Die Filmleute sind nur noch ein Klotz am Bein. Als allerdings eine reale Riesenschlange das Filmset der Hollywoodcrew verheert und fast alle tötet, wittert Doug die Chance: er könnte den Film hier abschließen, wenn sich alle zusammenraufen können, und die Schlange nicht auch sie verschlingt.
Schauspieler
Jack Black (Minecraft, School of Rock) spielt Doug. Unzufrieden mit dem Job als Hochzeitsvideoproduzent träumt er von einem großen Horrorfilm, wie damals in seinem Schulprojekt. Zusammen mit Ron, der als Schauspieler in Hollywood nur eine Nebenrolle in SWAT ergattern konnte, wittert er Morgenluft. Ron wird von Paul Rudd (Antman: Quantumania) gespielt.
Steve Zahn (Sahara) spielt Kenny, Kameramann und Techniker der Amateurtruppe. Seit ihrer Jugend gehört auch Claire, gespielt von Thandiwe Newton (Westworld), zur Truppe und soll ursprünglich die weibliche Hauptrolle in Dougs Film spielen.
Daniela Melchior (Guardians of the Galaxy Vol 3) spielt Bootskapitänin Ana. Der lokale Guide und Besitzer der Anaconda spielt Selton Mello.
Cameo-Auftritte aus dem Anaconda von 1997 haben Ice Cube und Jennifer Lopez.
Regie
Tom Gormican (Massive Talent) bringt wieder viel Klamauk auf die Leinwand. Jack Black und Paul Rudd spielen sich quasi selbst: der eine nicht zufrieden mit dem Lauf seiner Karriere, der andere hat auf das falsche Pferd gesetzt und hofft auf ein Comeback (meine Meinung). Gormican erlaubt sich einige liebevolle Anleihen aus dem ersten Anaconda und kopiert quasi die Handlung in einer guten Hommage: der Captain betrügt die Filmcrew, die auf der Suche nach einer Schlange ist. Nebenbei verbirgt er im Hintergrund mehrere Filmplakate und Requisiten und lässt Doug in seinen Planungen vor Hochzeitsvideos POV-Shots einer Schlange einfließen. Im späteren Verlauf, wenn die Schlange auch in aller Pracht vor der Kamera auftreten darf, persifliert er ältere Schlangenfilme und bringt gleichzeitig das Finale von Anaconda 1997 in einem neuen, etwas modernen Gesamtbild auf die Leinwand.
Von diesen handwerklichen Kniffen und viel Nostalgie hat der Film allerdings wenig Tiefgang und die Witze der Protagonisten sind auf dem Niveau eines Zwölfjährigen – oder eines Deadpool.
Nachbearbeitung
Neben der Riesenschlange, die entweder eine Titanboa ist, oder durch die Goldwäscherei so groß wurde, ist das Thema Umweltverschmutzung allgegenwärtig. In dem heruntergekommenen Dorf sehen die angebotenen Fische und Früchte nicht gut aus, was der Vergiftung des Wassers durch die Goldwäsche gedankt sein dürfte. Auch das Roden des Dschungels wird erwähnt – hier fand Santiago seine geliebte Anaconda, die durch den Kahlschlag verletzt worden war und durch Futtermangel kaum am Leben, als er sie fand. Entgegen aller Vernunft versuchte Santiago die Schlange zu domestizieren, was überraschend gut verlief. Dementsprechend ist seine Trauer verständlich als sein schuppiger Freund in der Schiffsschraube zerstückelt wird. Allerdings führt diese unnatürliche Beziehung zu der Annahme im Dschungel einfach eine neue Schlange finden zu können.
Ich erwähne die Titanboa deshalb, weil Anacondas nach dem Fressen lange ruhen und verdauen. Doch dieses Exemplar frisst, und frisst, und frisst, um dann weiter zu fressen. Dabei würgt sie nicht sonderlich gut, denn wie der Trailer bereits verraten hat, wird Doug gefressen, wieder hochgewürgt und ist dann, mit einem nicht weniger lebendigen Wildschwein am Rücken, auf der Flucht. Spoiler: in der Abspannszene sieht man auch Santiago, wie er hochgewürgt im Dschungel wieder zu sich kommt.
Zuletzt wird das Thema Copyright auch angegangen. Ron behauptet die Rechte für ein Remake zu besitzen, was tief im Dschungel Lügen gestraft wird, als eine echte Filmcrew auftaucht. Zum Glück für Ron wird diese kurz darauf von der Schlange gefressen und das Set zerstört. Hier darf Ice Cube dann auch eiskalt als Retter auftreten. Die dabei entstandenen Aufnahmen überzeugen Sony anschließend davon, ihm die Rechte für ein richtiges Remake zu übertragen. Jennifer Lopez überbringt ihm persönlich die Nachricht.
Musik 6/10
Neben Mötley Crüe, AC/DC und The Sweet sind zwölf weitere Songs, inklusive der Hymne von Anaconda 1997 enthalten.
Filmkritk
Fazit
Ein Remake, das sich nicht zu ernst nimmt, und doch das Gänsehautfeeling von Anaconda 1997 wiedererweckt. Dazu etwas Retro-Charme, wenn ein Teil des großen Casts von damals wieder auftritt und uns fast vergessen lässt, dass Anaconda im gesamten Franchise nach 1997 noch drei weitere unterirdische Schlangenfilme auf die Welt losgelassen hat (neben denen Asylum Produktionen als gut durchdachte Filme mit guter Handlung rüberkommen mögen). Ich kenne zumindest zwei Leute, die keine weiteren Schlangenfilme mit mir ansehen werden – ihr Verlust.



