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Filmkritik: Marshall

Nicolai Rosemann von Nicolai Rosemann
18. April 2026
in Filme, Kritiken
0
Marshall szenebild

© Sony Pictures Home Entertainment

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Chadwick Boseman spielt hier Thurgood Marshall, der als erster schwarzer Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Statten vereidigt wurde. Der hier verfilmte Fall ist einer der prägenden seiner Karriere.

Story/Inhalt

Im Jahr 1941 arbeitet Thurgood Marshall für die NAACP, die National Association for the Advancement of Colored People. Für die meisten Leute, die Marshall vertritt, ist es die einzige Möglichkeit überhaupt einen Rechtsbeistand zu erhalten.

Hier nimmt er das Mandat für einen afroamerikanischen Fahrer an, dem die Vergewaltigung seiner Dienstherrin zur Last gelegt wird. Im ländlichen Connecticut stehen die Chancen für Joseph Spell schlecht, vor allem da das Gericht die Vertretung durch Marshall verweigert. Der lokale Anwalt für Wirtschaftsrecht Sam Friedman wird zugeteilt, jedoch enden die Gängelungen hier nicht. Friedman, der als Jude selbst ein gesellschaftlicher Außenseiter ist, wird in Aussicht gestellt, in Country Clubs und in die hohe Gesellschaft aufgenommen zu werden, wenn er die „Schwarzensache“ schnell regelt. Marshall selbst wird vom Richter ein Redeverbot vor Gericht auferlegt, sodass er Friedman nur beraten darf. Marshall redet Friedman jedoch in die Seele und schafft es, in dem scheuen Experten für Wirtschaftsvergehen, der nie vorhatte Prozessanwalt zu werden, einen schlafenden Drachen zu erwecken, der am Ende mit seinem Plädoyer alle überrascht.

Schauspieler

Chadwick Boseman (Black Panther) liefert eine seiner besten Performances ab. Er schafft es, ein gutes Abbild von Thurgood Marshall zu geben, samt der Zweifel und aufgrund der Widerstände oft verbreiteten Hilf- und Hoffnungslosigkeit. Er vertritt nicht nur seine Mandanten, sondern weckt auch bei seinem Partner das Feuer, im Recht mehr erreichen zu wollen, als nur Papiere zu verschieben. Die Arbeit wird ihm allerdings dadurch erschwert, dass jede Eingabe zuerst pauschal abgelehnt wird oder Beweise nicht als vollwertig akzeptiert werden. Juristische Winkelzüge eines korrupten Systems.

Josh Gard (Die Eiskönigin, Little Monsters) spielt den Anwalt Sam Friedman. Vom Richter als Prozessanwalt an Marshalls Statt bestimmt, weil er als schwach und feige gilt, lässt er sich vom Mut und Enthusiasmus anstecken und gleicht aus, dass dem afroamerikanischen Anwalt vom Gericht der Mund verboten wird.

Kate Hudson (Deepwater Horizon, Bride Wars) spielt die snobistische, aber vernachlässigte Frau, die behauptet von ihrem Fahrer vergewaltigt worden zu sein. Ähnlich der Situation in „The Last Duel“ weicht hier die Frau in eine Lüge aus, um ihr Gesicht vor ihrem Mann und der Gesellschaft zu wahren. 

Sterling K. Brown (Black Panther, Hotel Artemis) spielt den angeklagten Fahrer Joseph Spell. Verzweifelt und voller Angst wagt er es lange nicht einmal gegenüber Marshall, die Wahrheit zu sagen. Aus falscher Loyalität gegenüber seiner Dienstherrin hält er Details zurück. Erst als Marshall ihm Klarmachen kann, welche Auswirkung eine Verurteilung auch für weitere ähnliche Verfahren hätte, kooperiert er. 

Weitere Rollen spielen Dan Steven (Cuckoo, Abigail, Godzilla x Kong: The New Empire), James Cromwell (The Green Mile, L.A. Confidential) und John Magaro (Captain Phillips).

Regie

Reginald (Reggie) Hudlin führte Regie in Filmen wie „Boomerang“ oder Serien wie „Alle hassen Chris“ und „Modern Family“. Nach vielen Jahren war Marshall wieder ein größeres Langfilmprojekt, das mit viel Herzblut für das Thema umgesetzt wurde. In enger Zusammenarbeit mit Boseman legte Hudlin Wert darauf, einen Gerichtsthriller zu schaffen, der die Handlung und die realen Ereignisse in den Vordergrund stellt und weniger auf Effekthascherei setzt. Die fremdenfeindlichen Umstände, selbst in Connecticut, werden gut eingefangen – Marshall als Afroamerikaner und Friedman als Jude stehen fast auf derselben unteren Stufe der Gesellschaft; die „Herren“ bieten Friedman sogar offen an ihm Zugang zu der besseren Gesellschaft zu gewähren – ob sie sich an die Zusage gehalten hätten, bleibt fraglich -Friedman entschied sich richtig und ließ den Prozess nicht scheitern.

Nachbearbeitung

Die Aufmachung des Jahres 1941 wird gut eingefangen. Noch ist Amerika nicht in den Krieg eingetreten, doch die Anspannung ist spürbar. Hinter vorgehaltener Hand spricht die bessere Gesellschaft schon darüber, wie man vom Krieg profitieren könnte, oder wo Risiken liegen. Marshall ist gezwungen, bei den Friedmans zu wohnen. In einer Szene berichtet Friedmans Frau davon, dass ihre Schwester aus Krakau vertrieben wurde. Während die Eliten über Chancen und Risiken in ihren Salons philosophieren, geht der Holocaust in Europa weiter. Tatsache ist, dass die weiße Oberschicht, bis Pearl Harbour sehr wohl den Vertretern Charles Lindbergh und Prescott Bush des amerikanischen Auslegers der NSDAP zugeneigt waren.

Musik 6/10

Fast 40 Musiktitel finden Anwendung, allerdings wurden die meisten nicht richtig erfasst und kreditiert. 

Filmkritk

Fazit

7.2 Ergebnis

Dies ist keinesfalls ein trockener Gerichtsfilm, der sich in spitzfindigen Wortduellen vor einem gelangweilten Richter verliert. „Marshall” hält der Zeit einen Spiegel vor und zollt Thurgood Marshall den Respekt, den er für seine Arbeit verdient hat – zu einer Zeit, in der allein der Verdacht für einen Afroamerikaner schon zu langen Haftstrafen führen konnte und die weiße Polizei Geständnisse nur allzu gerne aus Verdächtigen herausprügelte. Auch wenn Connecticut nicht der Süden war, als schwarzer Vergewaltiger hätte Joseph Spell kein faires Verfahren erwarten dürfen.

Fazit

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Tags: KrimiThriller
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