Der Film wurde im Rahmen seiner Weltpremiere beim Busan International Film Festival gesehen.
Mit Föa – Once Upon a Future adaptiert Regisseurin Margherita Ferrari ihren eigenen Kurzfilm Föa von 2023. Sie erzählt die fiktive Geschichte von Nicole, einer schwangeren jungen Frau, die während der Demonstrationen im Zuge des G8-Gipfels in Genua im Jahr 2001 in ihrem eigenen Zuhause mit den politischen Unruhen konfrontiert wird.
Story
Nicole (Gaia Ravina) ist im letzten Schuljahr, und die Geschichte beginnt, als sie aufgrund ihrer fortgeschrittenen Schwangerschaft während einer Klausur im Klassenraum zum wiederholten Mal ohnmächtig wird. Wir lernen kurze Zeit später ihre Familie kennen, die aus ihrem jüngeren Bruder Luca und ihren Eltern besteht. Das Miteinander wirkt alles andere als harmonisch und Nicole telefoniert abends heimlich mit ihrem Freund und dem Vater ihres Kindes, Marco. Als die Familie einen Urlaub plant, Nicole aber aufgrund des bröckelnden Zusammenhalts und ihrer Schwangerschaft nicht mitkommen möchte, bleibt sie allein in der Wohnung zurück.
Wenig später beginnen auf der Straße vor ihrer Wohnung die Ausschreitungen gegen den G8-Gipfel, die Lärm und Rauch mit sich bringen. Nicoles Bauch fängt ebenfalls an zu schmerzen, und als plötzlich die Demonstranten Julian (Gabriele Falsetta), Irene (Clara Tramontano) und Elixi (Iker Urgoiti) vor ihrer Tür auftauchen und sich vor der Polizei verstecken wollen, droht ihre Zeit allein zu Hause zu einem Albtraum zu werden.
Die Geschichte ist für mich keiner der stärksten Aspekte des Films. Mir gefallen zwar der G8-Gipfel und die Ausschreitungen als Hintergrund der Handlung, aber für mich liegt der Fokus zu sehr auf Julian, Irene und Elixi, die sich vor der Polizei verstecken und aus Wut und Überzeugung für eine bessere Welt kämpfen. Diese Figuren wirken auf mich jedoch weniger greifbar als Nicole, die mit ihrer Einsamkeit, Verzweiflung sowie ihrer Schwangerschaft ringt und für die effektivsten und eindrücklichsten Momente sorgt. Zudem zieht sich der Film trotz seiner kurzen Laufzeit im letzten Akt ziemlich in die Länge, weil es der Geschichte an interessanter Charakterentwicklung fehlt.
Schauspieler
Gaia Ravina spielt die Hauptrolle der Nicole überzeugend und hat eine starke Präsenz. Deshalb wünschte ich mir, der Film wäre noch tiefer in Nicoles Emotionen eingetaucht. Sie stellt ihre Verzweiflung und Hilflosigkeit mit zurückhaltender Leichtigkeit dar und verleiht der Figur dadurch eine wirkungsvolle Intimität. Sie ist für mich durchweg das Herzstück des Films, auch wenn die Handlung sich zwischenzeitlich mehr den Demonstranten widmet.
Diese werden von Gabriele Falsetta, Clara Tramontano und Iker Urgoiti verkörpert und bringen eine zusätzliche interessante Dynamik in die Geschichte. Die schauspielerischen Leistungen habe ich als absolut solide, aber signifikant weniger raumfüllend empfunden, wodurch ihre Charaktere in einigen Momenten blass wirken und nur selten etwas zur Atmosphäre beisteuern können.
Die anderen Nebenfiguren, wie Nicoles Familie und ihr Freund werden absolut in Ordnung gespielt, sind aber nicht von großer Bedeutung.
Regie:
Regisseurin Margherita Ferrari verfilmt mit Föa – Once Upon a Future ihren eigenen Kurzfilm von 2023 in Spielfilmlänge. Es ist gleichzeitig ihr erster Langfilm und sie beweist bereits ein gutes Auge für wirkungsvolle Bilder. Sie inszeniert die Geschichte mit einem Mix aus dynamischer und statischer Kameraführung und fängt Nicoles Gesicht in einigen schönen Nahaufnahmen ein. Auch die sporadische Einbindung von Archivaufnahmen der realen Demonstrationen sowie Zeitlupenaufnahmen tragen zur Atmosphäre bei und zeigen Margherita Ferraris Leidenschaft für eine abwechslungsreiche Bildsprache.
Nachbearbeitung
Zur Visualisierung gehören ebenfalls die kräftigen Farben, die besonders in Nicoles Wohnung für ein angenehmes und warmes Setting sorgen. Außerdem sind die Soundeffekte, die die Wohnung mit der Außenwelt verbinden, ein gelungenes Stilmittel, wenn Nicole beispielsweise ein Schiffshorn hört, weil sie ihre Familie vermisst, die mit dem Schiff in den Urlaub gefahren ist. Auch Pfiffe, Rufe und Sirenen von den Demonstrationen auf der Straße wirken sich ständig auf ihre Gefühlslage aus und lassen den Zuschauer tiefer in die damalige Zeit eintauchen.
Durch die Bodenständigkeit der Geschichte wird ansonsten auf Spezialeffekte, die über kleine Korrekturen hinausgehen, verzichtet.
Musik
Sowohl die Originalmusik als auch der Soundtrack sind solide und unterstützen die Geschehnisse stimmig, ohne hervorzustechen. Crying at the Discoteque von Alcazar bietet eines der seltenen musikalischen Highlights, als Nicole sich entschließt ihre Sorgen für einen Moment zu vergessen und zu diesem Song im Fernsehen zu tanzen.
Filmkritk
Fazit
Insgesamt ist Föa – Once Upon a Future ein solides Coming-of-Age-Drama, das Margherita Ferrari als talentierte Langfilmregisseurin in die Branche einführt. Erzählerisch lässt der Film zwar regelmäßig zu wünschen übrig, aber visuell fühlte ich mich durch die kräftigen Farben und kleinen Kameratricks durchgehend gut unterhalten. Auch die Hauptdarstellerin Gaia Ravina überzeugt auf ganzer Linie und verleiht der Geschichte eine stärkere Wirkung.


