The Housemaid – Wenn sie wüsste ist Paul Feigs neuer Psychothriller, der von einer wohlhabenden Familie erzählt, deren Leben sich mit der Einstellung einer neuen Hausangestellten nachhaltig verändert. Im Fokus stehen dabei besonders die zwischenmenschlichen Dynamiken sowie Konflikte und Machtverhältnisse innerhalb des Familienhauses.
Story:
Millie Calloway (Sydney Sweeney) ist eine junge Frau mit einer schwierigen Vergangenheit. Sie ist auf Bewährung und lebt in ihrem Auto, als sie von der wohlhabenden Familie Winchester zu einem Bewerbungsgespräch für eine Stelle als Haushaltshilfe eingeladen wird. Die Ehefrau Nina Winchester (Amanda Seyfried) empfängt sie und schon früh im Gespräch vermittelt der Film dem Zuschauer ein merkwürdiges Gefühl, als sie Millie von ihrer Schwangerschaft erzählt, von der ihr Mann, Andrew Winchester (Brandon Sklenar), noch nichts weiß. Als dieser mit der Tochter Cecelia (Indiana Elle) nach Hause kommt und auf die frisch eingestellte Millie trifft, wird klar, dass Nina sie ohne vorherige Absprache mit ihrer Familie eingeladen hat. Mehr noch, die Reaktion von Andrew und Cecelia wirkt, als wäre es nicht das erste Mal, dass Nina eigenmächtig wichtige Entscheidungen trifft, die die ganze Familie betreffen.
Millie fühlt sich dennoch zunächst wohl in ihrer Rolle als Haushaltshilfe, weil sie wieder in einem Bett schlafen kann und das Ziel hat, mit dem Gehalt wieder auf die Beine zu kommen. Schon bald wird ihr jedoch klar, dass hinter der dicken Fassade des teuren Anwesens Spannungen herrschen und als auch ihr eigenes Verhältnis zu den Winchesters zu bröckeln beginnt, zweifelt Millie an ihrer Entscheidung, für die Familie zu arbeiten. Ninas Anforderungen an sie werden immer merkwürdiger, Andrew wirkt zunehmend genervt von seiner Frau und Tochter Cecelia erzählt Millie, sie dürfe keinesfalls auf den Dachboden gehen. Auch der Gärtner, der beobachtend ums Haus zu schleichen scheint, löst in Millie ein ungutes Gefühl aus und Bekannte der Familie beginnen ihr von merkwürdigen Vorkommnissen auf dem Anwesen zu erzählen.
Trotz einiger klischeehafter Momente und stellenweise an den Haaren herbeigezogener Entwicklungen war es eine Freude, der Geschichte zu folgen, da man nie genau wusste, was als Nächstes passieren würde. Der Film schlägt immer wieder unerwartete Haken und treibt die Handlung konsequent voran. Auch die zunehmende Kompromisslosigkeit verleiht ihm eine Frische, die ich ihm zu Beginn kaum zugetraut hätte.
Schauspieler:
Die Haushaltshilfe Millie wird von Sydney Sweeney gespielt, die inzwischen eine der bekanntesten jungen Darstellerinnen Hollywoods ist. Besonders durch die Dramaserie Euphoria gewann sie an Popularität und Ansehen, während ihre Filmprojekte den erwünschten Erfolg meist vermissen ließen (wie zum Beispiel bei Madame Web). Ich halte sie für eine solide Schauspielerin, die schon die eine oder andere gute Leistung zeigen konnte und feiert mit The Housemaid – Wenn sie wüsste, der weltweit bereits rund 200 Millionen Dollar einspielen konnte, ihren bislang erfolgreichsten Kinofilm. Sydney Sweeney übernimmt mit Millie eine Rolle, die weniger von großen emotionalen Ausbrüchen als von innerer Spannung lebt. Das kommt ihr grundsätzlich entgegen, weil die Darstellung von Unsicherheit und Verletzlichkeit zu ihren Stärken zählt.
Amanda Seyfried verkörpert die Ehefrau Nina Winchester und liefert die beste schauspielerische Leistung des Films. Besonders im zweiten Akt rückt sie in den Fokus der Geschichte und reißt den Film mit ihrer impulsiven und intensiven Darstellung förmlich an sich. Ihre Figur bringt eine Unvorhersehbarkeit und ständige Unruhe mit sich, die den Zuschauer an die Leinwand fesselt. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist Amanda Seyfried eine feste Größe auf der Leinwand und wurde durch Filme wie Mean Girls und Mamma Mia! international bekannt. Meine persönlichen Highlights ihrer Karriere sind First Reformed und In Time und ich freue mich immer sie in einer neuen Rolle zu sehen.
Andrew Winchester wird von Brandon Sklenar gespielt, der aktuell einen Karriereschub erlebt und zuletzt in Drop – Tödliches Date eine solide Leistung zeigte. Auch in The Housemaid – Wenn sie wüsste passt er gut in seine Rolle und hat die eine oder andere wirkungsvolle Szene als unnahbarer Ehemann. Auf der anderen Seite lässt er manchmal die nötige Chemie mit anderen Charakteren vermissen, was zum Teil aber auch am Drehbuch liegt.
Indiana Elle als verzogene Tochter Cecelia und Michele Morrone als mysteriöser Gärtner Enzo greifen nur geringfügig in die Geschichte ein und bleiben, wie die restlichen Nebendarsteller, auch schauspielerisch eher unauffällig.
Regie:
Regisseur Paul Feig (Ghostbusters) ist vor allem für seinen Hit Brautalarm bekannt, hat aber seitdem nicht viel aufsehenerregendes gedreht. The Housemaid – Wenn sie wüsste ist deutlich ernster, als seine bisherigen Filme, aber die kontrollierte Kameraarbeit, der Fokus auf den Schauspielern und die eher unauffällige Bildsprache bleiben auch hier Zeichen seiner Handschrift und hinterlassen einen stimmigen Eindruck. Ich hätte mir in manchen Momenten allerdings mehr Mut gewünscht, um bestimmte Situationen dramatischer zuzuspitzen und ihnen noch mehr Wirkung zu verleihen. Einige Dialoge wirken zudem zerschnitten und dementsprechend holprig und eine stärkere visuelle Identität hätte dem Film ebenfalls gutgetan und ihn klarer von der oft austauschbaren Ästhetik einiger Straight-to-Streaming-Produktionen abgehoben.
Im letzten Akt hat Paul Feig dann aber doch noch eine kleine Überraschung in Form eines effektiven Kameratricks parat. Stellenweise sieht der Zuschauer das Geschehen aus der Sicht einer Tür, die zwei Charaktere trennt, die miteinander diskutieren und auch mit der Tür physisch interagieren. Diese Szene hat mir optisch sehr gut gefallen, aber bleibt leider die einzige einprägsame Technik, die Paul Feig in The Housemaid – Wenn sie wüsste einsetzt. Dennoch konnten mich das hohe Tempo sowie die unterhaltsame und unvorhersehbare Erzählweise immer wieder fesseln.
Nachbearbeitung:
Die Effekte sind zurückhaltend und realistisch gehalten und beschränken sich auf klassischen Feinschliff wie Lichtanpassungen und Farbkorrekturen. Die gewählte kühle Farbgebung innerhalb des Familienhauses unterstreicht wirkungsvoll die Spannungen, während in einzelnen Szenen warme Akzente emotionale Nähe verdeutlichen.
Musik:
Die Originalmusik wurde von Theodore Shapiro komponiert, der bereits mit zahlreichen bekannten Filmen und Serien sein Können unter Beweis gestellt hat. Zu seinen jüngsten Arbeiten zählt auch die vielfach ausgezeichnete Musik der Serie Severance. In The Housemaid – Wenn sie wüsste bleibt der Score bewusst zurückhaltend. Er setzt vor allem auf subtile, atmosphärische Klänge, die das Geschehen begleiten, ohne in den Vordergrund zu treten. Dadurch werden übertriebene, klischeehafte Überdramatisierungen vermieden, aber auch dass die Musik nachhaltig in Erinnerung bleibt. Der Soundtrack, der überwiegend aus modernen Popsongs besteht, ergänzt den Film stimmig und spricht gleichzeitig das Zielpublikum an.
Filmkritk
Fazit
The Housemaid - Wenn sie wüsste überzeugt besonders mit seinem hohen Tempo und Unterhaltungswert. Das Schauspielensemble spielt überzeugend und erweckt die Charaktere glaubhaft zum Leben. Besonders Amanda Seyfried trägt den dramatischsten Teil des Films mit ihrer intensiven Präsenz. Technisch hält sich der Film eher zurück und schafft so mehr Raum für die zwischenmenschlichen Konflikte. Trotz klarer Schwächen im Drehbuch und in den Dialogen gelingt es Paul Feig, einen spannenden und stellenweise konfrontativen Nervenkitzel zu inszenieren.




