Der Kinostart des Films war am 4. Dezember 2025
Kaufen/Streamen:Das historische Drama Teresa – Ein Leben zwischen Licht und Schatten verschlägt uns ins Jahr 1948 nach Indien und beleuchtet die inneren Konflikte der jungen Schwester Teresa, die zwischen den Erwartungen ihres Ordens und dem Wunsch, einen eigenen Orden zu gründen, hin- und hergerissen ist.
Story:
Schwester Teresa ist eine Nonne des Loreto-Ordens und arbeitet als Lehrerin an einer Mädchenschule in Kalkutta. Obwohl ihre Aufgaben sehr wichtig sind und sie diese gewissenhaft erfüllt, spürt sie den starken Drang, mehr zu tun und ihr Leben den Armen und Kranken zu widmen. Sie glaubt, es sei ebenso Gottes Wille wie ihr eigener, und bittet den Papst in einem Brief um Erlaubnis, den Orden zu verlassen. Die Tage vergehen und Teresa wartet ungeduldig auf die erlösende Antwort des Papstes, während sie mit inneren Konflikten zu kämpfen hat. Sich hinter den Klostermauern zu verstecken, während auf der Straße Menschen Hilfe benötigen, fühlt sich für sie falsch an und so versorgt sie regelmäßig, ohne das Wissen des Ordens, die Armen auf ihrem Weg zur Mädchenschule.
Ihr Drang nach Veränderung in ihrem Leben ist so stark, dass sie die Möbel in jeglichen Räumen des Klosters regelmäßig umstellt und andere Schwestern dazu anhält, es ihr gleichzutun. Immer wieder bittet Teresa auch Pater Friedrich um Rat, der als Bindeglied zwischen der von Männern dominierten Glaubensbewegung und Teresa fungiert, die in der Gründung eines eigenen Ordens ihre Berufung sieht und damit die kirchliche Hierarchie herausfordert. Ihr Alltag wird nicht einfacher, als ihre junge Novizin Agnieszka ihr plötzlich unter Tränen beichtet, dass sie schwanger ist und deshalb ebenfalls den Orden verlassen wird. Teresa hatte Agnieszka eigentlich als ihre Nachfolgerin vorgesehen, damit alle Aufgaben auch nach ihrem geplanten Fortgang verantwortungsbewusst erledigt werden würden.
Obwohl ein Bruch des Keuschheitsgelübdes als schwerwiegende Sünde gilt und Teresa nun eine neue Nachfolgerin für ihren möglichen Fortgang bestimmen muss, zeigt sie Verständnis für die Situation der jungen Novizin und hilft ihr zunächst, ihr Geheimnis zu bewahren. In der Folge wird ihre innere Zerrissenheit noch stärker und sie droht zwischen den Verpflichtungen gegenüber dem Orden, ihrem Wunsch nach Selbstverwirklichung und dem Geheimnis ihrer Novizin zu zerbrechen.
Mir hat die Geschichte von Anfang an gefallen, weil moralische Dilemmata sehr spannende Dynamiken entstehen lassen können. Dieses Potenzial schöpft der Film leider nur teilweise aus, und wenn, dann vor allem aufgrund des guten Schauspiels. Das Drehbuch bewegt sich zu oft an der Oberfläche, was zwar genügt, um mit den Figuren zu sympathisieren, aber nicht immer dazu beiträgt, ihre innere Entwicklung vollständig nachvollziehen zu können.
Die angeschnittenen Themen sind zwar durchgehend interessant, doch beide Hauptcharaktere kämpfen trotz unterschiedlicher Ausgangslagen im Grunde mit den gleichen Herausforderungen, was dem Film etwas an Wirkung raubt. Sie wollen beide sowohl dem Orden dienen als auch ihr eigenes Leben nach ihren Wünschen gestalten.
Schauspieler:
Schwester Teresa wird von Noomi Rapace gespielt, die als Herzstück des Films hervorragend funktioniert und eine sehr gute Leistung abliefert. Sie ist eine wandlungsfähige Schauspielerin, deren Stärken in tiefgehenden Dramen wie diesem besonders gut zur Geltung kommen. Mein persönliches Highlight ihrer bisherigen Karriere ist Lamb, man kennt sie aber auch aus vielen anderen Projekten, wie dem Alien-Universum.
In Teresa – Ein Leben zwischen Licht und Schatten gelingt es ihr, Teresas innere Unruhe greifbar darzustellen. Sie wirkt verletzlich und angespannt, hält jedoch zugleich ihre Fassade aufrecht, um der Verantwortung gegenüber ihrem Orden und ihrer Novizin gerecht zu werden, während sie ihre eigenen Wünsche zurückstellt.
Sylvia Hoeks verkörpert Schwester Agnieszka und kann ebenfalls in ihrer Rolle überzeugen. Zwar hätte ich mir gewünscht, dass ihre Figur noch stärker in den Mittelpunkt rückt, aber sie holt trotzdem das Beste aus der Rolle heraus. Bekannt ist Sylvia Hoeks unter anderem aus Blade Runner 2049, in dem sie Luv spielt – die Assistentin des Bösewichts Niander Wallace, gespielt von Jared Leto.
In Teresa – Ein Leben zwischen Licht und Schatten spielt sie wie Noomi Rapace ihre Erfahrung aus und verleiht ihrer Figur trotz der simplen Charakterzeichnung eine Tiefe, die sie nahbar wirken und gleichzeitig die emotionale Spannung zwischen den beiden Schwestern greifbar werden lässt.
Pater Friedrich wird von Nikola Ristanovski gespielt und ist ein ruhiger und geduldiger Gegenpol zu Schwester Teresa und ihren emotionalen Ausbrüchen. Wie die übrigen Nebendarsteller zeigt auch er eine solide Leistung.
Regie:
Die nordmazedonische Regisseurin Teona Strugar Mitevska war mir persönlich vor Teresa – Ein Leben zwischen Licht und Schatten noch kein Begriff, doch sie hat besonders mit der Gesellschaftssatire Gott existiert, ihr Name ist Petrunya, die bei der 69. Berlinale 2019 Premiere feierte, für Aufsehen gesorgt und auch den einen oder anderen Preis für ihre Arbeit an dem Film gewonnen.
In Teresa – Ein Leben zwischen Licht und Schatten hält sie ihre Regie hauptsächlich zurückhaltend, aber realistisch. Die Kamera bleibt oft nah an Noomi Rapace, um ihrem Schauspiel die volle Aufmerksamkeit zu geben, was mir gut gefallen hat. Einige Perspektivwechsel, wie Aufnahmen von der Decke eines Raumes oder aus der Sicht von Teresa, sind ebenfalls effektiv eingesetzt, aber zu selten, sodass es mir regelmäßig an Kreativität fehlte.
Die allererste Aufnahme von Teresa würde ich mir andererseits sofort einrahmen. Wie Noomi Rapace direkt in die Kamera blickt, während ihr eine Träne über die Wange läuft und intensive Musik dazu einsetzt, ist sehr wirkungsvoll inszeniert.
Nachbearbeitung:
Der Film ist sehr bodenständig und verzichtet bis auf kleine und unauffällige Feinabstimmungen, wie beispielsweise Farbkorrekturen, glücklicherweise auf aufwändige Spezialeffekte, die meiner Meinung nach im Setting des Klosters auch unpassend gewesen wären.
Musik:
Die musikalische Untermalung weist sowohl Stärken als auch Schwächen auf. Magali Gruselle und Flemming Nordkrog haben die Originalmusik für den Film komponiert und machen einen guten Job, weil die Musik die Stimmung des Films gut unterstreicht, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Die Kompositionen setzen größtenteils nur sehr dezente Akzente und auch wenn sie dabei stimmig eingesetzt werden, hätte ich mir in der einen oder anderen emotionalen oder dramatischen Szene einen intensiveren musikalischen Rahmen gewünscht, um den Zuschauer noch mehr in den Bann zu ziehen.
Im letzten Akt wartet mit Hard Rock Hallelujah von Lordi noch eine große Überraschung, die sich sehr vom Rest des Films abhebt, aber für mich hat dieser Bruch nicht funktioniert, obwohl mir der Song grundsätzlich gut gefällt.
Filmkritk
Fazit
Teresa – Ein Leben zwischen Licht und Schatten ist ein ruhig inszeniertes Drama, das vor allem von seinem starken Schauspiel lebt. Noomi Rapace und Sylvia Hoeks ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und überzeugen in ihren Rollen besonders. Die Regie ist solide, bleibt jedoch größtenteils unauffällig und fungiert eher als zurückhaltendes Beiwerk denn als tragendes Element. Inhaltlich überzeugt der Film mit seinen moralischen Fragestellungen und inneren Konflikten, schöpft das vorhandene Potenzial allerdings nicht vollständig aus. Dadurch bleibt der Gesamteindruck von Geschichte und Charakteren trotz vieler gelungener Ansätze etwas oberflächlich und distanziert.



