Kaum ein Wesen der Nacht durfte in so vielen vielfaltigen Varianten auf der Kinoleinwand auftreten: Dracula. Mal orientiert sich die Geschichte mehr oder weniger genau an Bram Stokers Roman, mal wird eine komplett neue Legende gesponnen. Zum Universum gehören auch die aus urheberrechtlichen Gründen entstanden Spin-Offs Nosferatu, Stummfilmvarianten bis zum aktuellen Nosferatu – der Untote. Und dann natürlich die ganzen anderen Filme (Renfield) und Serien (Moonlight), die sich des transsilvanischen Grafen in irgendeiner Form bedienen. Die Spanne reicht von seriösen Verfilmungen zu Komödien, von hochwertigen Projekten bis zu billigen Exploits.
Story/Inhalt
Diese Variante orientiert sich mehr am Theaterstück Hamilton und Balderston als an Stokers Roman.
Der Immobilienmakler Renfield reist nach Transsylvanien, um einem Investor die Carfax Abbey zu verkaufen. Seine Mitreisenden warnen ihn, das Schloss zu betreten, doch er tut die Geschichten über Vampire als Folklore ab. An einem Pass bleibt er zurück, um von der Kutsche des Grafen ausgelesen zu werden. Während der Fahrt, von Wölfen verfolgt, bemerkt Renfield, dass der Kutscher verschwunden ist und stattdessen eine Fledermaus die Pferde antreibt. Er tut auch das als Übermüdung ab. Im Schloss angekommen werden die Papiere unterzeichnet und Renfield mit Wein betäubt. Obwohl die drei Bräute des Grafen ihn verschlingen wollen, trinkt Dracula und macht Renfield so zu seinem Sklaven.
In London angekommen, macht der Graf die High Society unsicher. Er späht die junge Mina als Opfer aus, bedient sich jedoch zuerst an deren Freundin Lucy. Lucy siecht dahin, kein Arzt kann ihr helfen. Darum wird der Experte Abraham Van Helsing angefordert. Dr. Seward betreut auch den verrückten Renfield. Dieser entpuppt sich als nützliche Quelle, als Van Helsing ihn als solche ausmacht. Lucy ist verloren, und Mina in Draculas Bann auf dem Weg nach Carfax. Unter der Anleitung von Van Helsing gehen Harker, Seward und Van Helsing auf die Jagd.
Schauspieler
Aufgrund des damals vorherrschenden Studiosystems waren viele der genannten Schauspieler in denselben Filmen vertreten.
Bela Lugosi definiert die ikonische Rolle des Draculas für viele Jahre. Lugosi, seit 1917 Filmschauspieler, spielte in vielen Grusel- und Horrorfilmen die Rolle des Bösewichts. Allerdings war Lugosi nicht die erste Wahl: Lon Chaney Sr. verstarb jedoch bevor der Dreh beginnen konnte. Weitere Schauspieler waren zwar gecastet, wurden aber abgelehnt oder standen nicht zur Verfügung. Damit war der Weg für Lugosi bereitet zusammen mit Boris Karloff und Lon Chaney Jr. einer der drei prägenden Ikonen des Gruselfilms der 1930er und 40er-Jahre zu werden. In seinem letzten Film (Plan 9 From Outer Space) war Lugosi bereits von seiner Krebserkrankung gezeichnet. Doch wie auch Karloff arbeitete er bis zum Schluss.
Edward van Sloan spielt Abraham Van Helsing. Auch in Frankenstein spielte er den kühlen Wissenschaftler, der mit stoischer Ruhe der wissenschaftlichen Methodik folgend Stück für Stück alle Varianten ausschließt.
Dwight Frye spielte später in Frankenstein und Frankensteins Braut die Handlanger von Henry Frankenstein. In Dracula spielt Frye die Rolle des Renfield.
David Manners spielt Jonathan Harker, der in dieser Variante als Verlobter von Mina allerdings eher eine kleine Rolle innehat. Mina wird von Helen Chandler gespielt, die mit der Gruselrolle jedoch nichts anfangen konnte. Frances Dade als Lucy wiederrum hatte später nur noch eine Handvoll Rollen, bevor ihre Karriere endete. Im Gegensatz dazu Herbert Bunston als Dr. Seward, der vier Jahre später verstarb.
Regie
Die ersten beiden Regisseure standen dem Studio aus verschiedenen Gründen nicht zur Verfügung, sodass die Verantwortung an Tod Browning übergeben wurde. Browning sollte im darauffolgenden Jahr mit Freaks – Missgestaltete gleich einen weiteren Genrefilm nachlegen. In Dracula selbst spielte er den Hafenmeister, der die Ankunft der Demeter verfolgt. Dass er als Ersatz gewählt wurde und er Material seines Vorgängers Karl Freund verwenden musste, passte ihm gar nicht. Trotzdem sollte Dracula zu einem seiner erfolgreichsten Filme werden.
Nachbearbeitung
Die Effekte waren für die damalige Zeit überragend. Heute wirken vor allem die Fledermäuse an Schnüren billig, haben sogar fast einen komödiantischen Wert. Wie in allen Filmen dieser Ära gibt es eine interessante Wortkreation: der Burgomaster (Bürgermeister) spricht hier im Gasthaus von Renfield mit ihm, um ihn davon abzubringen, zum Pass zu fahren.
Das ikonische Bild von Lugosi mit dem starrenden Blick wurde durch direkten Scheinwerfereinsatz generiert. Das grelle Licht war zwar schmerzhaft, doch Lugosi verzog keine Miene.
Zeitgleich wurden die Kulissen auch genutzt, um in Nachtschichten eine spanische Variante von Dracula zu drehen. Ähnlich wie damals bei Nosferatu war auch hier das Budget aufgrund der herrschenden Weltwirtschaftskrise so gering, dass die Rechte für Stokers Roman nicht finanzierbar waren, weswegen auf das Theaterstück zurückgegriffen wurde.
Fünf Jahre später wurde mit „Draculas Tochter“ eine Fortsetzung gedreht, bei der Van Helsing wegen Mordes am Grafen verhaftet wird.
Musik
Aus Kostengründen wurden verwendete Opern nicht in den Abspann aufgenommen.
Filmkritk
Fazit
Seit dem Jahr 2000 ist der Film in der National Film Registry der Library of Congress enthalten. Dracula inspirierte eine Generation von Kinogängern, aber auch Filmemachern. Auf Lugosi folgten unter anderem Peter Cushing, Christopher Lee, Gary Oldman oder Luke Evans. Diese Variante ist vielleicht nicht die beste, aber eine der Prägendsten.


