Zu Beginn des Ersten Weltkriegs marschiert das deutsche Kaiserreich im neutralen Belgien ein, um die französische Armee an der Flanke zu umfassen. Ein Bauer gerät unfreiwillig zwischen die Fronten und wird zum Helden.
Story/Inhalt
Der verwitwete Bauer Leonard bewirtschaftet mit seinen Kindern und einigen Helfern eine kleine Farm in Flandern. Sein Sohn hat eine Romanze mit der Tochter des Dorfarztes, der den Bauernsohn aber unter seinem Stand sieht. Das harte Bauernleben hat den Krieg zwischen Frankreich und dem deutschen Reich bisher kaum wahrgenommen, abgesehen von Gerüchten und Unsicherheiten was mit dem neutralen Belgien geschehen könnte.
Eine vorrückende deutsche Einheit, Nummer 17, unter dem Kommando von Maximilian Von Rauch rückt währenddessen Richtung Kanal vor. Sein Sohn Laurenz ist Leutnant und entspricht überhaupt nicht dem Standesdenken des deutschen Adels-Offiziers. Als einige versprengte belgische Soldaten Widerstand leisten, wobei ein deutscher Soldat getötet wird, lässt Laurenz das gesamte Dorf erschießen.
Als die Soldaten Leonards Farm erreichen, leisten die einfachen Leute keinen Widerstand. Doch als Laurenz die Tochter Johanna bedroht, schlägt ihr Bruder Adrien Laurenz nieder. Daraufhin erschießt der Leutnant Adrien und verletzt das Mädchen schwer. Leonard kann ins Dorf entkommen und übernimmt dort nach einigem Zögern die Führung. Ihr Plan: ins nahe Frankreich zu flüchten.
Doch inzwischen sind die Deutschen am Dorf angekommen und setzen ihren blutigen Weg fort. Die Frau des Arztes tötet aus Angst um ihre Tochter einen weiteren Soldaten, woraufhin Laurenz schwere Vergeltung befiehlt. Als er erfährt, dass Leonard den Widerstand koordiniert, wird er noch rasender und ignoriert sogar Befehle vom Kommando, um den Aufwiegler zu stoppen: egal wie viele Soldaten er dazu opfern muss, und wie viele unbeteiligte Zivilisten dafür sterben.
Schauspieler
Iain Glen (Game of Thrones, The Rig) spielt den Bauern Leonard. Seit dem Tod seiner Frau von der Welt abgeschottet, hat er doch einigen Einfluss in der Dorfgemeinde. Dass sein Sohn außerhalb des Standes heiraten will, nimmt er widerwillig wahr. Eigentlich will er nur seine Ruhe. Diese wird durch den Krieg abrupt gestört, sodass er zum Anführer werden muss. Der Tod seiner Kinder, er erfährt erst später, dass seine Tochter nur verletzt wurde, treibt ihn an. Rache und Gerechtigkeit sind eine starke Triebfeder.
Rache ist die Triebfeder von Laurenz. Obwohl sein Vater die Einheit kommandiert, lässt sich Laurenz immer wieder zu Vergeltungsmaßnahmen hinreißen, die ganz klar außerhalb der zulässigen Mittel sind – explizit sind es Kriegsverbrechen. Sein Vater schaut mit Verachtung weg, maßregelt seinen Sohn hinterher und verlangt auch, dass er sein Patent nach dieser Mission niederlegt. Bestimmt nicht der Soldat, wie ihn Deutschland gerne sehen würde, aber ganz der deutsche Soldat, wie ihn die Franzosen und Belgier als „Boche“ beschrieben. Laurenz wird von Joe Anderson (The Grey – Unter Wölfen, Hercules) gespielt.
Sasha Luss (Anna – Die Agentin, Valerian – Die Stadt der tausend Planeten) spielt Louise sowie David Calder (James Bond – Die Welt ist nicht genug, Rush – Alles für den Sieg) den Dorfpriester Vater Michel.
Regie
Julien Hayet-Kerknawi dreht nicht den typischen Film über den Ersten Weltkrieg mit Grabenkämpfen und klarem Feindbild. Vielmehr arbeitet er die belgische Sichtweise als überfallenes Land auf: die Soldaten, die schlecht organisiert Widerstand leisten, werden von Leutnant Laurenz genauso erschossen wie jeder Zivilist, der sich nicht bedingungslos fügt. Die einfachen Menschen wollten diesen Krieg nicht, erst recht nicht als neutrales Land, und versuchen nur zu überleben. Sie machen sich mehr Sorgen um die Ernte, ihren Besitz und ihre nächste Mahlzeit, unwissend, dass vier weitere Jahre Hölle, Hunger und Entbehrungen sowie die Spanische Grippe noch kommen werden.
Leutnant Laurenz ist eben nicht der saubere, preußische Soldat, der nach Ehrenkodex und Standesdünkel heroisch anführt. Er ist ein kleiner, schwacher Mann, der jeden Vorwand nutzt, um sein sadistisches Wesen auszuleben. Als Soldat ist er bestenfalls mittelmäßig, betrinkt sich nach dem ersten Kampf und verpasst so seinen Wacheinsatz. Sein Vater, eben genau der stramme preußische Adelsoffizier beobachtet die Aktionen seines Sohns mit Verachtung, greift aber nicht ein. Hintenrum maßregelt er seinen Sohn, verlangt sogar, dass er sein Offizierspatent niederlegt, doch ansonsten bleibt er untätig.
Leonard will seine Führungsrolle nicht, selbst als der Priester ihm ein altes Waffendepot unter der Kirche zeigt. Erst als Laurenz seine Kinder tötet, nimmt er seine Stellung an und führt die Willigen in Sicherheit. Die, die glauben mit den Deutschen auskommen zu können, erfahren bald auf die harte Tour, dass mit Laurenz nicht zu verhandeln ist. Laurenz hat keine Skrupel ganze Dörfer niederzubrennen, und ist auch bereit alle seine Männer zu opfern, nur damit „dieser Bauer“ die Flüchtlinge nicht nach Frankreich führen kann.
Nachbearbeitung
Gedreht wurde in Flandern und der Wallonie. Ein Kritikpunkt ist, dass der Film komplett in Englisch gedreht wurde, statt die lokalen Dialekte zu nutzen und die deutschen Soldaten Deutsch sprechen zu lassen. Davon abgesehen sind die malerischen Aufnahmen von Belgien eine gute Werbung für den Tourismus (liebe Deutsche, bitte nicht in Feldgrau vorbeikommen – ging auf lange Sicht nie gut für euch aus).
Die Liebesgeschichte zwischen Adrien und der Tochter des Arztes ist für die Motivation von Leonard nicht allzu wichtig, bearbeitet aber das Thema Stand, was damals noch wichtiger war. Der Arzt ist mit der Wahl seiner Tochter unzufrieden, Leonard glaubt jedoch, dass sein Sohn mit einer Tochter aus besserem Haus auf Dauer nicht glücklich wird. Auf der anderen Seite ist der alte Von Rauch ein typischer Adelsoffizier, der für seinen Sohn dieselbe Karriere geplant hätte, was dem Stand im Kaiserreich entspräche. Doch Laurenz ist ein kleiner Sadist mit wenig Führungsqualität, was für den Alten zermürbend ist. Da die Mannschaften aber aus „normalen“ Leuten bestehen, geziemt es sich nicht, den Leutnant offen zurechtzuweisen – darum schaut er stoisch, sichtlich enttäuscht von seinem Sohn, in die andere Richtung, wenn dieser Erschießungen befiehlt oder überzogene Strafen verhängt.
Filmkritk
Fazit
Ein interessanter Eintrag in die Liste von Kriegsfilmen. Auch wenn kaum gekämpft wird, zumindest stehen sich nie zwei reguläre Armeen gegenüber, bedient der Film doch mehrere wichtige Themen und bringt einen anderen Blickwinkel auf „den sauberen Krieg, der alle Kriege beenden sollte“. Auch wenn die Deutschen etwas überzeichnet werden, fängt der Film die Sichtweise der Belgier gut ein und ist im Gesamten ein gutes Gesamtbild.



