Frankreich liefert immer wieder Filmperlen. Von Komödien über Drama, gelegentlich auch Horrorfilme. Zu nennen sind hier „Mutants“, einer der gruseligsten Filme der Zombiewelle Anfang bis Mitte der 2000er Jahre, oder „Die Horde“ aus derselben Filmwelle.
Oger sind eine vernachlässigte Spezies des Horrors. Wenn überhaupt werden sie bestenfalls als Monster der zweiten Reihe gesetzt, oder zu dümmlichen Begleitern von Trollen in Fantasy-Abenteuern degradiert. Dabei war der Oger in der Folklore ein interessantes Wesen: gigantische Wesen mit beachtlicher körperlicher Stärke, die entweder Gräber schänden um die Leichen zu fressen oder verborgen aus den Schatten der Wälder Kinder und leichtgläubige Menschen hineinlockten um sie zu fressen. Im Mittelalter waren die Taten von Ogern oft der Deckmantel für Morde, etwa beim Serienmörder Gilles des Rais (im 15. Jahrhundert), einem französischen Chevalier, der Kinder aus Lust am Foltern tötete. Erst die Französische Revolution beendete in Frankreich die Legende rund um die Oger, weil sich die neue Republik unter anderem den Kampf gegen Aberglauben (ob weltlich oder kirchlich) auf die Fahnen schrieb.
Story/Inhalt
Chloé verlässt mit ihrem Sohn Jules die Großstadt, nachdem der Vater sie im Stich gelassen hat, um einen Neuanfang zu machen. Als Lehrerin in einem kleinen abgelegenen Dorf hofft sie Frieden und Ruhe zu finden und die Beziehung zu ihrem tauben Sohn zu kitten. Doch schon kurz nach der Ankunft beobachtet sie wie einheimische Bauern einen Kadaver verbrennen. Kurz darauf hört sie Gerüchte, dass ein wilder Hund die Gegend terrorisieren würde und für tote Nutztiere sowie die Sperre des Waldes verantwortlich wäre.
Doch Jules berichtet, dass eine seltsame Gestalt jede Nacht vor seinem Fenster lauern würde. Er verdächtige Matthieu, einen Einheimischen, der Gefallen an Chloé gefunden hat. Auch finden sie in den zurückgelassenen Besitztümern der Vorbesitzer ihres Hauses seltsame Kinderzeichnungen eines Monsters.
Als Jäger einen großen Wolf schießen, scheint der Spuk vorbei. Doch die Übergriffe auf Kälber und Schafe gehen weiter, bis ein Jäger bei einem Volksfest betrunken die Wahrheit ausspricht. Die Gegend wäre von einem Oger terrorisiert. Chloé muss feststellen, dass ihr Sohn verschwunden ist. Also macht sie sich auf die Suche in den Wäldern. Der Oger hat bereits die Fährte seines nächsten Opfers aufgenommen. Nur Chloé steht zwischen ihm und seiner nächsten Mahlzeit.
Das Szenario ist nicht neu, die Geschichte in anderer Form unzählige Male erzählt (Werwölfe, Vampire, Wiedergängern, usw.).
Schauspieler
Ana Girardot (bekannt aus ihrem Auftritt in „Escobar: Paradise Lost“ oder der Serie „The Returned“) in ihrer ersten Spielfilmhauptrolle als alleinige Headlinerin. Allerdings fehlt ihr das Charisma, ihr Schauspiel ist bemüht, doch vor allem im Finale überzogen und sie sichtlich überfordert. Auch Samuel Jouy scheint in Serien oder Nebenrollen besser aufgehalten zu sein. Vielleicht passte er seine Leistung des Gesamtbilds an, denn in „Le Lion“ (deutsch: Codename Der Löwe) glänzte er in seiner Nebenrolle neben Dany Boon.
Regie
Leider wurde die Geschichte so oft als Plot verwendet, dass die Geschichte nicht mal einen Hund hinterm Ofen hervorlockt, selbst wenn sie in Speck gewickelt wäre. Einige schöne Landschaftsschnitte im pittoresken französischen Hinterland, gefolgt von verwackelten Kamerafahren und scharfen Schnitten. Arnauld Malherbe lieferte zuvor mehrheitlich nur Arbeiten am Drehbuch oder der Adaption des Szenarios. Hier gilt: Schuster bleib bei deinen Leisten.
Nachbearbeitung
Das Monsterdesign war gut. Obwohl der Oger an einen ausgehungerten Zombie aus „The Walking Dead“ erinnerte, war das Aussehen der Handlung geschuldet. Alles war jedoch schlüssig und sinnvoll eingesetzt, das unregelmäßige Ausleuchten beim Finale steigerte Gruselfaktor und gab der Handlung kurz Pfiff. Doch am Ende blieb es doch enttäuschend. Die restliche Aufmachung des Films und der DVD dafür eher mittelmäßig. Leider gibt es beim Bonusmaterial einzig mehrere Versionen der Trailer.
Musik
Auch bei der musikalischen Begleitung wurde mehrheitlich gespart.
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Filmkritk
Fazit
Gesamt verdient „Ogre – der Fluch“ 2 von 10 Punkten. Keine Perle des französischen Films, der wenig Erwähnenswertes mit wenig Erinnerungswertem zusammenbringt. 104 Minuten eines Lebens, die man besser nutzen kann (und soll).



